Der Tagesspiegel : Clärchens Ballhaus gekauft, Villa Kellermann ersteigert Kürzlich hatte Hans-Joachim Sander das Berliner Tanzlokal erworben,

jetzt sicherte er sich die Immobilie am Heiligen See in Potsdam

Michael Erbach

Potsdam - Zur gestrigen Zwangsversteigerung der Villa Kellermann hatte der ehemalige Besitzer, Johannes Rey, einen Rechtsanwalt geschickt. Der Fernsehmoderator Günther Jauch, dem im Vorfeld ebenfalls Interesse am Kauf der Potsdamer Villa nachgesagt wurde, war auch erschienen – doch am Ende versicherte er, dass er weder die Absicht hatte, selbst zu bieten, noch einen Beauftragten ins Rennen geschickt habe.

Spannend war die Versteigerung des letzten öffentlich zugänglichen Grundstücks am Rande des Heiligen Sees dennoch. Immerhin hatte in den vergangenen Jahren ein bizarrer Streit zwischen dem Eigentümer der Villa Kellermann, Johannes Rey, und Pächter Maximilian Dreier getobt. Dessen italienisches Restaurant war Rey – der aus der Villa eine Spielbank machen wollte – ein Dorn im Auge gewesen, doch trotz mannigfaltiger Schikanen und einer Prozesslawine hatte er Dreier als einzigen Mieter nicht aus dem Haus vertreiben können (der Tagesspiegel berichtete). Im November 2002 geriet das Kellermann-Haus unter Zwangsverwaltung, nachdem sich Rey, dem einst fünf Grundstücke am Heiligen See gehörten, wegen Gläubigerforderungen in Millionenhöhe nach Italien abgesetzt hatte.

Wenn nun die Gläubiger zustimmen, hat die Villa Kellermann höchstwahrscheinlich einen neuen Besitzer: Immerhin ist Hans-Joachim Sander auch ein Potsdamer. In Berlin hatte er erst jüngst Clärchens Ballhaus erworben.Gestern hatte er bei der Zwangsversteigerung leichtes Spiel. Nachdem ein Berliner gleich am Anfang die festgesetzte Mindestkaufsumme von 1,47 Millionen Euro bot, konterte Sander – nach quälend langen Minuten in dem völlig überfüllten Gerichtssaal – kurz vor Schluss der angesetzten Versteigerungszeit mit einer Summe von 1,8 Millionen Euro. Als der Konkurrent noch einmal 10 000 Euro draufpackte, erhöhte Sander sofort auf 1,9 Millionen – und bekam den Zuschlag. Damit ist jedoch der Verkehrswert der Villa, der von der Nassauischen Sparkasse mit 2,1 Millionen Euro angegeben wurde, nicht erreicht worden.

Hans-Joachim Sander gehören bereits zwei Villen am Heiligen See. Der Kunstsammler, Inhaber von Galerien in Berlin und Darmstadt, ist Ehemann einer Erbin des Shampoo-Imperiums Wella, das im vergangenen Jahr für 3,2 Milliarden Euro an den US-Konzern Procter & Gamble verkauft wurde.

Sander zeigte sich nach der Versteigerung jovial, obwohl er die Hoffnungen vieler Freunde des Hauses auf eine weitere öffentliche Nutzung etwas dämpfte. Denn er kündigte an, das Haus privat nutzen zu wollen, „vielleicht als Sitz einer noch zu gründenden Stiftung.“ Immerhin erklärte er, den Mietvertrag von Dreier, der noch bis zum Jahr 2010 gilt, „zu respektieren.“ Er sehe auch keinen Grund, Dreier jetzt zu kündigen. „Ich wohne ja bereits am Heiligen See“. Er sei nicht auf das Haus angewiesen. Allerdings komme es auch darauf an, welche Vorstellungen Dreier habe.

Dreier wird sich allerdings nicht allein auf nette Worte verlassen. Zur Zwangsversteigerung hatte er schon mal bei Gericht vorsorglich erste Argumente gegen eine mögliche Sonderkündigung eingereicht: geleistete Mietvorauszahlungen in Höhe von 37 000 Euro und Abrechnungen über Investitionen in Höhe von über 30 000 Euro. Dreier will sein Restaurant auf jeden Fall weiterführen. Falls Sander vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch macht, dürfte es also neue juristische Auseinandersetzungen um die Villa geben, deren fantastische Lage gegenüber dem Marmorpalais im Neuen Garten viele Potsdam-Gäste anzieht.

Flüchtling Rey, der gestern das letzte seiner Grundstücke am Heiligen See verlor, wird Potsdam demnächst wohl trotzdem besuchen müssen. Am 25. Februar steht er unter anderem wegen eidesstattlicher Falschaussage und wirtschaftlicher Nötigung vor Gericht. Außerdem klagte Dreier zivilrechtlich auf Rückzahlung von 37 000 Euro an Betriebskosten, die Rey falsch berechnet hatte. Der Versuch, das Gehalt des 51-Jährigen bei seinem neuen Arbeitgeber zu pfänden, schlug jedoch fehl. Die Begleitagentur, bei der Rey seit einiger Zeit unter dem Namen Giova seine Dienste anbietet, teilte Dreiers Anwältin mit, dass man nichts pfänden könne. Bei Giova sei es „bisher noch nie zu einer Buchung gekommen, also auch nicht zu einer Honorarzahlung“.

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