Columbus : Europäisches Weltraumlabor dockt an

Fast acht Stunden dauerte der Außeneinsatz im All - jetzt ist "Columbus" an die Internationale Raumstation ISS montiert. Für Wissenschaftler ist das Weltraumlabor ein absolutes Juwel - und Baustein für künftige Missionen zum Mars und darüber hinaus.

Außeneinsatz Columbus
Kein Spaziergang im All: Der Außeneinsatz dauert fast acht Stunden. -Quelle: Nasa

HoustonEndlich hat es geklappt: Nach jahrelangem Warten hat das europäische Weltraumlabor "Columbus" seinen Platz an der Internationalen Raumstation ISS gefunden. Das fast 13 Tonnen schwere Labor wurde am späten Montagabend (MEZ) von einem riesigen Roboterarm aus der Raumfähre "Atlantis" gehoben und an seinen Platz an der ISS transportiert.

An diesem Dienstag wird dann der Franzose Léopold Eyharts (51) erstmals das Labor betreten und die Systeme für Strom und Wasser hochfahren. Für die europäische Raumfahrt beginnt damit ein neues Kapitel.

"Gute Arbeit", lobt die amerikanische Weltraumbehörde Nasa die beiden US-Astronauten, die in einem fast achtstündigen Außeneinsatz bei der Installation von "Columbus" die "Feinarbeit" leisteten. Der Deutsche Hans Schlegel (56), der wegen gesundheitlicher Probleme ausgefallen war, musste zuschauen. Er soll jedoch bei einem weiteren Weltraumspaziergang am Mittwoch mit dabei sein.

Versuche in der Schwerelosigkeit

"Columbus" ist der wichtigste europäische Beitrag zur Internationalen Raumstation. Das in Bremen gebaute Labor bietet drei Forschern Platz für Versuche zur Biotechnik, Medizin, Material- und Flüssigkeitenforschungen - für Wissenschaftler ein Juwel. Darüber hinaus soll das 12,7 Tonnen schwere und acht Meter lange Columbus-Modul ein Baustein für künftige Raumfahrtmissionen sein - zum Mars und darüber hinaus.

Die Kosten des Labors in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro werden im wesentlichen von Deutschland, Frankreich und Italien getragen.

Bislang hatten nur die USA und Russland ein eigenes Labor in der ISS. Im März soll dann das japanische Weltraum-Labor Kibo an der ISS angebracht werden.

Deutschem Astronauten geht es besser

Schlegel, der nach US-Medienberichten an Unwohlsein ähnlich einer Seekrankheit litt, geht es inzwischen besser. Eine Vertreterin der Europäischen Weltraum-Organisation (Esa) im Nasa-Kontrollzentrum Houston (Texas) sagte, Schlegel werde aller Voraussicht nach an einem für Mittwoch geplanten zweiten Außenbordeinsatz teilnehmen können. Dabei geht es um die Installation eines neuen Stickstofftanks für das äußere Kühlsystem der ISS.

Ursprünglich sollte "Columbus" bereits im Jahr 2004 ins All. Wegen der Katastrophe der Raumfähre "Columbia" wurden aber alle Flüge über mehrere Jahre eingestellt. Die Columbia brach am 1.Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander - alle sieben Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Das "Columbus"-Labor selbst wird nicht von der Nasa, sondern vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München kontrolliert. 75 Wissenschaftler und Ingenieure steuern die europäischen Aktivitäten auf der ISS. Oberpfaffenhofen koordiniert das wissenschaftliche Programm von Forschungszentren in ganz Europa und steuert die technischen Systeme des Labors von der Heizung bis zur Luft- und Wasserversorgung. (jam/dpa/AFP)