Commerzbank : Aktionäre hadern noch immer mit Dresdner-Übernahme

Commerzbank-Chef Martin Blessing wirbt auf der Hauptversammlung um die Unterstützung der Aktionäre, damit die zweite Kapitalspritze des Bundes wirksam werden kann. Als Folge der Übernahme musste das Institut vom Staat mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro gestützt werden.

Frankfurt/MainCommerzbank-Chef Martin Blessing hat auf der Hauptversammlung mit Nachdruck um Zustimmung der Aktionäre zum geplanten Einstieg des Bundes geworben. Der staatliche Banken-Rettungsfonds Soffin musste der Commerzbank innerhalb weniger Monate zwei Mal frisches Kapital von insgesamt 18,2 Milliarden Euro zuschießen. Zehn Milliarden davon hat sie noch nicht überwiesen bekommen, dafür ist die Zustimmung der Aktionäre notwendig. Ein Großteil des Geldes fließt der Bank als Stille Einlage zu, für den Rest erhält der Bund eine Aktienbeteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie und steigt damit zum größten Anteilseigner der Commerzbank auf.

Da mit 38 Prozent außergewöhnlich wenige Aktionäre nach Frankfurt gekommen waren, ist die Zwei-Drittel-Abstimmungsmehrheit für den geplanten Einstieg des Bundes so gut wie sicher: Die Bank hat mit den beiden Versicherungskonzernen Allianz (18,8 Prozent) und Generali (6,3 Prozent) zwei Großaktionäre im Rücken.

Der Commerzbank-Chef schwor die Investoren auf eine längere Durststrecke ein. "Das Geschäftsjahr 2009 verspricht leider nicht einfacher zu werden als das abgelaufene Jahr", sagte er. Zwar deute sich eine leichte Entspannung an den Märkten an, von einer durchgreifenden Beruhigung könne aber keine Rede sein. Im ersten Quartal hatte die Bank einen Verlust von 861 Millionen Euro eingefahren. Mit einem Konzernumbau, der sowohl den Verkauf von Randaktivitäten als auch die Trennung der einst zum Kerngeschäft gehörenden Immobilienfinanzierungstochter Eurohypo umfasst, will Blessing die Commerzbank wieder in die Gewinnzone bringen. Ab 2012 sollen alle Kerngeschäftsaktivitäten wieder schwarze Zahlen schreiben, der operative Gewinn des Konzerns soll ab dann bei über vier Milliarden Euro liegen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unterstützt die Forderung von Kleinaktionären, Übernahme der Dresdner Bank prüfen zu lassen. Eine solche Untersuchung sei wichtig, um die Folgen des fast fünf Milliarden Euro schweren Zukaufs Anfang des Jahres im Detail festzustellen, sagte DSW-Vertreter Klaus Nieding. Nach der Übernahme fiel der Aktienkurs ins Bodenlose und notiert nur noch bei knapp über fünf Euro. Damit es zu dieser Untersuchung kommt, müssen 50 Prozent des bei der Hauptversammlung anwesenden Kapitals zustimmen. Dies war aber angesichts der geringen Teilnahme eher unwahrscheinlich. (sp/Reuters)