Der Tagesspiegel : Communicant verkündet Baustopp für die Chipfabrik In Potsdam wächst die Angst vor dem Scheitern des Großprojekts

Thorsten Metzner

Potsdam. Offiziell wiegeln alle ab. Aber in der Landesregierung wächst dem Vernehmen nach die Sorge, dass die Chipfabrik in Frankfurt an der Oder scheitern könnte. Nicht nur, dass der Rücktritt von Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) Irritationen und Unsicherheiten auslöste. Gestern folgte eine Hiobsbotschaft – das Unternehmen verkündete für Anfang Dezember einen Baustopp. Die nach monatelangem Stillstand erst im Sommer wieder aufgenommen Arbeiten werden über den Winter wieder eingestellt, bestätigte die Communicant AG.

Sprecher Wulf Buschardt begründete den Schritt damit, dass das 1,3-Milliarden-Euro- Vorhaben wegen des weltweit schwachen Chipmarktes abgespeckt und umgeplant wird. Der neue Communicant-Vorstand Abbas Ourmazd habe nach seinem Amtsantritt die Gesamtkosten überprüft. Es gebe jedoch keinerlei Zusammenhang zum Rücktritt von Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß, der das Vorhaben zur Chefsache gemacht hatte und jetzt als Berater weiter begleiten will. „Es besteht kein Grund zur Sorge", erklärte Frankfurts Oberbürgermeister Martin Patzelt dem Tagesspiegel. Communicant versuche, kostengünstiger zu werden. „Der Architekt geht mit dem Rotstift über die Pläne." Ähnlich äußerte sich auch der aus Frankfurt stammende neue Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, der „kein Anzeichen" für eine kritische Lage sieht. Es sei ein „normaler Vorgang", dass im Rahmen eines solchen Projektes die Marktchancen überprüft würden.

Zum Hintergrund: Offenbar bemüht sich Communicant fieberhaft, die Kosten zu drücken, da die Gesamtfinanzierung des 1,3- Millionen-Euro-Vorhabens immer noch nicht gesichert ist. Bislang hat sich noch keine Bank gefunden, die das dringend benötigte Darlehen von rund 650 Millionen Dollar gewährt, obwohl dieses weitgehend durch eine von Brüssel genehmigte Bund-Landes-Bürgschaft abgesichert wäre. Besorgt reagierte PDS-Landeschef und Wirtschaftsexperte Ralf Christoffers auf die neuen Turbulenzen um die Chipfabrik. „Die Unruhe schadet dem Projekt." Mit Blick auf den Weggang des bisherigen Communicant-Vorstands Dirk Obermann und weiterem Personalabbau bei der Frankfurter Firma, mahnte Christoffers: „Ein ruhigeres Personalmanagement wäre im Interesse des Vorhabens sicher wünschenswert." Wenn das Projekt nicht zu Ende gebracht wird, bestehe zudem die Gefahr dass ein „bloßer Transfer" der hochkarätigen Technologie des Frankfurter Halbleiterinstituts nach Dubai stattfindet. Eine Sorge, die mancher im Kabinett teilt. Kürzlich war dort ein Vorstoß von Wirtschaftsminister Fürniß gescheitert, das IHP-Institut an Dubai zu verkaufen.

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