Der Tagesspiegel : Computergehäuse als Zigarettenversteck

Claus-Dieter Steyer

Zigaretten bleiben an der deutsch-polnischen Grenze das Hauptschmuggelgut. Im Vorjahr wurden im Brandenburger Abschnitt rund 100,7 Millionen unverzollte Glimmstengel beschlagnahmt. "Wir wendeten dadurch einen Steuerschaden in Höhe von rund 12,7 Millionen Euro ab", sagte der Vorsteher des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), Dirk Bluemcke. Doch die Beamten an den Grenzübergängen müssen immer raffiniertere Verstecke besonders auf Lastwagen ausfindig machen.

In osteuropäischen Ländern arbeiten nach Erkenntnissen der Zollfahndung ganze Fabriken an der Produktion von so genannten Tarnladungen, die eigens zum Schmuggel von Päckchen oder Stangen entwickelt werden. Dazu gehören nur teilweise mit Quarzsand gefüllte und mit Polyester umwickelte Blechrollen, Säcke mit einer Schicht Holzkohle, Kartons mit Waschmitteln, Warmwasseraufbereiter, präparierte Möbelbretter und umgebaute Lautsprecherboxen. Kurz vor Weihnachten nahmen Zöllner einen aus Weißrussland stammenden Lastwagen genauer unter die Lupe. Er hatte etwa 1000 Computergehäuse für eine deutsche Firma geladen. Beim Schütteln der Behälter schöpften die Kontrolleure noch keinen Verdacht. Erst bei der Abnahme des Deckels kamen Stangen mit 3,7 Millionen Zigaretten zum Vorschein.

Im Vergleich dazu fallen die in Pkw, Reisebussen und Zügen entdeckten Schmuggelpakete kaum ins Gewicht. Dagegen wurden kürzlich im Innern eines Binnenschiffes auf der Oder 880 000 unverzollte Zigaretten gefunden. Ein großer Teil der geschmuggelten Waren stammt aus deutschen Zigarettenfabriken. Sie wurden ganz legal nach Polen, ins Baltikum oder nach Russland exportiert. Im Handumdrehen kommen sie auf illegalen Wegen zurück nach Deutschland und in andere EU-Länder, um hier wieder auf den Markt geworfen zu werden. Schmuggler und Händler machen riesige Geschäfte. Auf diese weitgereisten Zigaretten entfällt keine Tabaksteuer. Die Gewinnspanne liegt bei 25 bis 50 Prozent. Abnehmer der Schmuggelpakete seien sowohl Straßenhändler als auch Firmen mit einem Haus-Liefer-Service. "Auch Käufer solcher unverzollten Zigaretten machen sich strafbar", sagte Bluemcke.

Nach dem für 2004 erwarteten EU-Beitritt Polens entfallen die Lkw-Kontrollen an der Oder-Neiße-Grenze. Der deutsche Zoll konzentriert sich dann auf Stichproben im Landesinneren und verlässt sich nach eigenen Worten auf die Arbeit der Kollegen an der nach Osten verschobenen EU-Außengrenze.

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