Copa América : Diegos Reifeprüfung

Am Sonntag spielt Brasilien gegen Argentinien im Finale der Copa América. Für Bremens Diego ist es die letzte Chance sich zu beweisen.

Emilio Rappold[dpa]
Diego
Große Chance. Kaka und Ronaldinho sind nicht dabei, Diego soll Brasiliens Kreativspiel beleben. -Foto: AFP

Caracas/Rio de Janeiro Für den Bremer Diego geht es um Alles oder Nichts. Wenn die brasilianische Fußball-Nationalelf am Sonntag (23:05 Uhr/arena) gegen Erzrivale Argentinien das Endspiel der Copa América in Venezuela bestreitet, könnte der Werder-Spielmacher nach Meinung nicht weniger Experten eine seiner letzten Chancen in der "Seleção" bekommen. "Dieses Turnier ist Diegos goldene Chance. Er ist jung, ist aber zu häufig gescheitert. Da muss er einfach ausnutzen, dass weder Kaká noch Ronaldinho hier sind", sagte vor einigen Tagen der angesehene Sportjournalist Renato Prado.

Nicht nur Nationalcoach Dunga hatte vor dem ältesten Kontinentalturnier der Welt auf Diego gesetzt. "Er hat alle Qualitäten, die ein Weltklasse-Spielmacher braucht", hatte kein Geringerer als Brasiliens Fußball-Idol Zico gesagt. "Für alle Brasilianer ist Diego ein Hoffnungsträger", schrieb die einflussreichen Zeitung "O Globo". Doch bereits bei der 0:2-Debüt-Schlappe gegen Mexiko wurde der 22-Jährige vorschnell zum Sündenbock abgestempelt und in der Pause ausgewechselt. Danach kam er allenfalls als Einwechselspieler zum Zug - ohne aufzufallen. Zuletzt spielte der Bremer im Halbfinale gegen Uruguay (5:4 nach Elfmeterschießen) knapp 20 Minuten. "O Globo" urteilte: "Er hat wenig getan."

"Dummchen Diego"

Nach Diegos kometenhaftem Aufstieg im Jahr 2002, als er als 17-Jähriger den Pelé-Club FC Santos zusammen mit Robinho zur Landesmeisterschaft geführt hatte, stürzte er ins Tief. Kaum ein Brasilianer hat das südamerikanische Olympia-Qualifikationsturnier 2004 vergessen, als Diego und Robinho mit einem Star-Team kläglich versagten. Die beiden Stars fielen damals mehr durch ständige Albernheiten als durch gekonnte Spielzüge auf, ließen etwa bei Interviews lachend die Hosen herunter.

"Ich bin inzwischen reifer, muss aber noch viel lernen", sagte Diego. Das scheint tatsächlich so zu sein. Denn der Mann mit der in Brasilien nahezu "heiligen" Rückennummer 10 enttäuschte die Medien und Fans in der Heimat nicht nur auf dem Rasen. An den Pranger geriet er, als er aus Venezuela vorlaut verkündete: "Wir sind hier nicht, um schön zu spielen, sondern um Meister zu werden". "Was für ein Dummchen ist doch dieser Diego", klagte "O Globo". Diego habe offenbar kein Verhältnis zum gut gespielten Fußball und sitze zu Recht auf der Bank.

Diego - Hoffnung auf schönen Fußball

Dass Diego überhaupt eine (wenn auch kleine) Chance hat, am Sonntag gegen Argentinien von Anfang an aufzulaufen, verdankt er der Tatsache, dass Kapitän Gilberto Silva gegen Uruguay seine zweite Gelbe Karte sah und gesperrt ist. Bislang war Dunga in Venezuela mit einem extrem defensiven Vierermittelfeld erfolgreich. Die Brasilianer befürchten nun den Tod des "Jogo Bonito", des schönen Spiels. "Viele Brasilianer sind deshalb drauf und dran, am Sonntag für Argentinien die Daumen zu drücken, das gab es noch nie", meint João Assumpção vom Sender SporTV. Ein "Panzer" wie Julio Baptista als Spielmacher sei für die Brasilianer indiskutabel.

Diego ist nun die letzte Hoffnung dieser nach schönem Fußball lechzenden Brasilianer. "Wer auf der Bank sitzt, ist nie zufrieden. Ich bin bereit für das Finale", sagt der Wahl-Bremer. Die Chancen stehen aber nicht gut. "Wir haben unser System gefunden, wo sind jetzt die Kritiker, die gemeint haben, man könne nicht mit drei oder vier defensiven Mittelfeldspielern agieren?", fragte Dunga nach dem Elfmeterkrimi gegen Uruguay.

Und wenn er schon am Sonntag wieder nicht in der Reihe der Stammspieler die Nationalhymne singen darf, so schießt Diego bereits verbal auf die ungeliebten Argentinier: "Viele sagen, die Argentinier seien die Favoriten. Aber wir können es gegen die packen, man darf Brasilien nicht unterschätzen." (mit dpa)