Copa America : Imperialismus am Ball

Vor der Copa America stänkert Venezuelas Präsident Chavez gegen die USA.

Tobias Käufer[Caracas]
Copa America
Immer im Hintergrund: Präsident Chávez. -Foto: AFP

Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez sind Selbstzweifel fremd: „Venezuela gewinnt das Finale gegen Brasilien 3:0“, prophezeit der mächtigste Mann im Gastgeberland der Copa America 2007 (26. Juni bis 15. Juli). Von der Statistik lässt sich Chavez, der im mittlerweile hoffnungslos gespaltenen Land für die einen Diktator, für die anderen Heilsbringer ist, dabei überhaupt nicht beeindrucken: Gerade mal ein Spiel konnte „La Vinotinto“ (Die Weinrote), wie Venezuelas Fußball-Nationalmannschaft in Anlehnung an ihre Trikotfarbe genannt wird, bislang bei ihren 13 Teilnahmen am ältesten Nationenturnier der Welt gewinnen.

Dieses kleine Fußballwunder geschah am 28. Januar 1967 in Uruguay, als Venezuela im Duell der südamerikanischen Fußballzwerge Bolivien mit 3:0 bezwang. In den restlichen 44 Copa-Partien blieb Venezuela sieglos, musste dem Gegner gar 37 Mal zum Sieg gratulieren. Bescheidener als Chavez ist Venezuelas einziger Star. „Wir sollten zumindest in die zweite Runde kommen. Das wäre schon ein historischer Erfolg“, diktiert Juan Arango vom spanischen Erstligisten RCD Mallorca den Journalisten eine deutlich realistischere Vorgabe in die Blöcke.

Vor dem ersten Auftritt der Mannschaft von Trainer Richard Páez in San Cristobal gegen Bolivien (Mittwoch, 2.50 Uhr MESZ, live bei Arena) ist in Venezuela so etwas wie Fußballfieber ausgebrochen. Das ist beachtlich im einzigen südamerikanischen Land, in dem Fußball nur die Nummer zwei ist – hinter Baseball. Stimmen die offiziellen Angaben, dann sind für umgerechnet 377 Millionen Euro in den neun Austragungsstädten neue oder komplett sanierte Stadien aus dem Boden gestampft worden – die Petrodollars Venezuelas machen es möglich.

Allerdings durchkreuzte der südamerikanische Fußballverband Conmebol schon die Pläne der Gastgeber: Zwei Tage vor Beginn der Copa America entzog Conmebol der Hauptstadt Caracas das Halbfinalspiel: Aus „Sicherheits- und Kapazitätsgründen“ wird das erste Semifinale nun im Endspielort Maracaibo ausgetragen. Bereits vor zwei Wochen hatte Conmebol der Stadt Barinas mit ähnlicher Begründung ein Viertelfinale entzogen und damit für das erste organisatorische Chaos gesorgt. Ganz nebenbei wurden die rund 60 Millionen Euro an Modernisierungskosten für beide Stadien fast umsonst ausgegeben: Caracas bleibt nur das Spiel um Platz drei, Barinas ein Vorrundenspiel.

Mit besonderem Interesse dürfte Chavez das Auftreten der US-amerikanischen Nationalmannschaft verfolgen. Der Staatspräsident sendete seinem politischen Lieblingsfeind zur Einstimmung einen polemischen Gruß, indem er den Nordamerikanern, ohne deren Namen zu nennen, vorsorglich schon einmal einen Sabotageversuch unterstellte. Eine große Demonstration von Oppositionellen während der Copa America sei geplant, die von „imperialistischen und extrem rechten Kräften“ gesteuert werde. Beobachter vermuten, dass Chavez’ Angst vor einem erneuten Aufkeimen politischer Unruhen auch einer der Gründe für den kurzfristigen Wechsel des Halbfinalortes sein könnte.

In der K.-o.-Runde ist ein Aufeinandertreffen von Gastgeber Venezuela und dem frischgebackenen Gold-Cup-Sieger USA möglich. Mit seinen Äußerungen hat Präsident Chavez jedenfalls schon für das passende „Betriebsklima“ vorgesorgt.