Corporate Governance : Cromme verlangt "Null Toleranz"

Rechtsverstöße bei Unternehmen sind keine Kavaliersdelikte. Mit einem Kodex zur guten Unternehmensführung will der Vorsitzende der entsprechenden Regierungskommission, Gerhard Cromme, Richtlinien für die Unternehmen entwickeln. Darin soll auch eine Höchstgrenze für Managerabfindungen festgelegt werden.

Gerhard Cromme
Gerhard Cromme, der Vorsitzende der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung. -Foto: ddp

Der Vorsitzende der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, Gerhard Cromme, hat die deutschen Konzerne zu einem strikten Vorgehen gegen mögliche illegale Praktiken aufgerufen. "Ein Verstoß gegen geltendes Recht, insbesondere in Bereichen wie Korruption, Kartell- oder Insiderrecht ist kein Kavaliersdelikt", sagte Cromme, der auch Aufsichtsratschef von Siemens und ThyssenKrupp ist. In der Debatte um umstrittene Millionen-Abfindungen für vorzeitig ausscheidende Manager sprach sich Cromme gegen eine generelle Verkürzung der meist fünfjährigen Laufzeit von Vorstandsverträgen aus. In den Kodex zur guten Unternehmensführung ("Corporate Governance") sei vielmehr eine Obergrenze für Abfindungen von zwei Jahresgehältern als neue Anregung aufgenommen worden.

Die Einhaltung von Gesetzen und unternehmensinternen Richtlinien sei zuvorderst Aufgabe des Vorstands, sagte Cromme. Dazu gehöre auch, die Instrumente festzulegen, mit denen dies gewährleistet werde. Der Aufsichtsrat sei somit nicht verpflichtet, jeden Stein im Unternehmen selbst umzudrehen. Bei gravierenden Verstößen oder Verdachtsmomenten müsse allerdings auch der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats seine Überwachung intensivieren. Generell sei klar, dass Bußen, Strafen und mögliche Schadenersatzforderungen erheblich seien und in keinem Verhältnis zu einem etwaigen Geschäftsvorteil stünden. "Daher kann in Unternehmen nur gelten: Null Toleranz gegen Gesetzesverstöße!"

Obergrenze für Managerabfindungen

Um das Vertrauen der Anleger zu stärken, sei auch eine Obergrenze für Managerabfindungen in den Kodex aufgenommen worden, sagte Cromme. Sie solle bei Neu- oder Wiederbestellungen beachtet werden. Dabei sei die Summe von zwei Jahresgehältern nicht als der Normalfall, sondern als Maximum zu verstehen. Wenn der vorzeitige Abgang einen wichtigen Grund habe, sei gesetzlich geregelt, dass überhaupt nichts gezahlt werden dürfe. Diese Abkopplung der Abfindung von der Bestelldauer sei von der Regierungskommission gewählt worden, da die hier zu Lande übliche relativ lange Vertragslaufzeit von fünf Jahren sinnvoll erscheine. "Wir möchten, dass Unternehmen und Vorstand eine sichere Planungszeit haben." Dadurch sei die Zukunft zu gestalten, ohne dass immer wieder eine Vertragsverlängerung auf der Tagesordnung stehe.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) begrüßte die neue Anregung für eine Abfindungs-Obergrenze. Dies sei ein "mutiger Vorschlag", sagte sie am Donnerstagabend. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Jochen Sanio, forderte die börsennotierten Unternehmen auf, die rechtlich nicht bindenden Kodex-Leitlinien anzuerkennen. "Noch immer haben nicht alle Verantwortlichen in den Unternehmen verstanden, wie wichtig diese Regeln sind." Dabei treffe der seit 2002 geltende deutsche Corporate-Governance-Kodex inzwischen weltweit auf Anerkennung. (mit dpa)