Cottbus : Klimawandel macht vor Karneval nicht halt

Das Motto des diesjährigens Karnevalumzugs in Cottbus, der Klimawandel, lieferte genug Stoff für die Wagen der Karnevalisten: Sie zogen über die Umweltplakette genauso her wie über die Ölpreise. Mehr als 100.000 Besucher sahen am Sonntag dem närrischen Treiben zu.

Berlin"Ob Auto, Bus oder Besenstiel - wir bleiben auch trotz Klimawandel mobil", lautete der Spruch der Jecken aus
Neupetershain in der Nähe von Cottbus. So oder ähnlich reagierten am Sonntag die rund 4000 Närrinnen und Narren aus Brandenburg, Berlin und Sachsen auf das vom Karneval Verband Lausitz (KVL) vorgegebene Motto für den 17. "Zug der fröhlichen Leute". "Klimawandel schön und gut - nur den Kleinen geht's mal wieder an den Hut", hieß die Devise. An dem nach Veranstalterangaben größten ostdeutschen Karnevalsumzug durch die Cottbuser Innenstadt wurden mehr als 180 Bilder und 90 Festwagen gezeigt. Mehr als 100.000 Schaulustige sahen zu.

Acht Musikkapellen und Spielmannzüge sorgten für ausgelassene Stimmung. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Umweltminister Dietmar Woidke (beide SPD) mischten sich unter das närrische Volk. "Klimawandel ist ein gutes Thema für einen Karnevalsumzug", sagte Platzeck. Das lasse vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten zu, ergänzte der Regierungschef. Manchmal tue ein Klimawandel auch in der Familie ganz gut, sagte er schmunzelnd. Platzeck winkte den Leuten am Straßenrand vom ersten Festwagen des KVL-Präsidiums zu.

Vom Mars bis auf die Öko-Wiesen

Die meisten Karnevalsvereine antworteten mit herben Kritiken und derben Sprüchen auf das Umweltthema. "Klimawandel kostet Geld, bezahlen muss die ganze Welt", forderten 40 als Spreewaldgurken verkleidete Narren aus der Gurkenhochburg Golßen. 20 Mittenwalder kommentierten die Erderwärmung in den Kostümen von Pinguinen. Der närrische Motorsportclub aus Drebkau kündigte an: "Wir ernähren uns künftig abgasfrei".

Der Catolische Carneval Club Cottbus (CCCC) zog mit der Aufforderung "Vorwärts zu neuen Geboten" durch die Innenstadt. Die drei neuen Gebote lauteten: "Du sollst nicht laufend am Ölhahn drehen", "Du sollst von Deinem Lohn mindestens Fasching feiern können" und "Du sollst für Politiker feste beten, aber ihnen niemals glauben". "Während Politiker reden, haben wir die Lösung zum Überleben", verkündeten die Cottbuser Narrenweiber und zogen mit einer Arche Noah durch die Straßen. "Vom Mars sind wir verwiesen, jetzt landen wir auf unseren Öko-Wiesen", proklamierten die Narren aus Altdöbern. Die Cottbuser Altstadthexen ließen die Schaulustigen wissen: "Wir lecken den Umweltsündern nicht am A...., sondern blasen ihn heute kräftig den Marsch".

Heftige Kritik gab es auch an der Berliner Umweltplakette. "Trotz XXL-Truck, Trommeln und Konfetti, fahren wir trotzdem weiter ohne Umweltplaketti", hieß es von den Luckauer Narren. Die Großräschener geißelten mit einer großen Lok die Bahnstreiks und die steigenden Benzinpreise. Cottbuser BTU-Studenten widmeten sich an ihrem Festwagen drei aus ihrer Sicht großen Lügen: "Die Erde ist eine Scheibe", "Schweine können fliegen" und "Studiengebühren sind sozial". Die Jecken mit dem weitesten Anfahrtsweg von 300 Kilometern aus dem uckermärkischen Boitzenburg übten indes scharfe Kritik am Arbeitslosengeld II. Ihr Slogan: "Von Harz IV lebt es sich beschissen, darum haben wir uns die goldene Gans gegriffen". (nim/ddp)

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