Cottbus : Razzia im Rockerklub

Am Wochenende soll es eine Feier zum fünfjährigen Bestehen der Cottbuser Niederlassung der Hells Angels geben. Doch die Feierlaune wird den Rockern gründlich vergangen sein: Am Mittwoch stattete ihnen die Polizei einen Besuch ab, machte eine Razzia. Und wurde auch fündig.

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Die bei der Razzia gefundenen Waffen.
Die bei der Razzia gefundenen Waffen.Foto: Polizei

Die Polizei hat am Mittwoch bei einer Razzia beim Rockerklub Hells Angels in Cottbus eine Waffenlager ausgehoben. Die rund 200 Beamten durchsuchten insgesamt 18 Wohn- und Geschäftsräume sowie das Vereinsheim der Hells Angels.

Auf einem größeren Gartengrundstück entdeckten Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) mit Hilfe von Metalldetektoren eine vergrabene Metallkiste. Auch Sprengstoffexperten wurden hinzugezogen. In der Kiste selbst lagen mehrere scharfe Schusswaffen: eine Pumpgun, eine abgesägte doppelläufige Schrotflinte, drei Pistolen sowie die dazugehörige Munition, daneben auch mehrere Handbeile und eine Präzisionsschleuder.

Der 28-Jährige Rocker, der das Grundstück nutzt, wurde wegen illegalen Waffenbesitzes vorläufig festgenommen. Anlass der Razzia ist eine Feier der Hells Angels am Wochenende zum fünfjährigen Bestehen der Cottbuser Niederlassung. Zahlreiche Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland haben sich angekündigt. „Das wissen auch rivalisierende Gruppen“, sagte ein Polizeisprecher. Offenbar waren die Ermittler von dem Waffenlager informiert.

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Der Kampf gegen die kriminelle Rockerszene
Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte die Berliner Polizei mehrere Quartiere der Bandidos durchsucht. Dabei wurden schwere Waffen sicher gestellt, zum Beispiel dieses Sturmgewehr.Weitere Bilder anzeigen
1 von 78Foto: dpa
16.06.2012 17:41Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte...

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Clubs wie Bandidos oder Gremium das Treffen für einen Anschlag nutzen wollten und die Hells Angels dafür im Vorfeld Waffen in Depots gelagert haben, um sich darauf vorzubereiten, hieß es. Die Polzeiaktion diene daher der Gefahrenabwehr.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt in diesem Fall auch schon länger. Die beschlagnahmten Waffen werden jetzt kriminaltechnisch untersucht, um herauszufinden, ob sie bereits bei Straftaten genutzt wurden und ob DNA-Spuren zu den Nutzern führen.

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD), der eine Null-Toleranz-Strategie gegen die Rocker fährt, sagte: „Das in Cottbus aufgefundene Waffendepot hat unsere Prognose zur Gefährlichkeit der Rockerszene in vollem Umfang bestätigt. „Die Warnungen vor der hohen Gewaltbereitschaft krimineller Rocker sind in keiner Weise übertrieben.“

Die Ermittler wollten den Einsatz auch als „deutliches Zeichen“ an die Rockerszene verstanden wissen. Sie befürchten ein Übergreifen der jüngsten Auseinandersetzungen in Berlin auf das Umland und Brandenburg. „Insgesamt ist die Situation als fragil einzuschätzen“, hieß es. Wegen der engen Vernetzung der Rockerklubs in beiden Bundesländern seien die Vorgänge auch für Brandenburg von Bedeutung. Auch die Ermittler in Berlin schätzen die Lage als angespannt und äußerst unübersichtlich ein, zumal nach diversen Selbstauflösungen verschiedener Klubs, auch der Bandidos, die Rivalen der Hells Angels.

In Berlin war Anfang Juni der Chef der Hells Angels Nomads angeschossen worden. Zudem steht ein Ultimatum an andere Klubs im Raum, sich aufzulösen, überzutreten – und sich in Berlin nicht mehr mit den Kutten anderer Klubs wie Bandidos oder Gremium zu zeigen. Auch gab es Schüsse auf Bandidos vor deren Vereinsheim im Wedding. Ermittler sprechen von einer Bedrohungssituation wie „schon lange nicht mehr“.

Zudem wächst die Furcht, Rocker aus Skandinavien, wo jahrelang ein blutiger Rockerkrieg tobte, könnten in den Konflikt eingreifen. Jedenfalls haben die Beamten in jüngster Zeit vermehrt Rocker vor dort in Berlin gesichtet. In einer internen Anweisung der Polizei wird vor einer Verschärfung des Konflikts und dem Einsatz von Schusswaffen und Sprengstoff durch die Rocker gewarnt. Fahrzeuge aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland sollen verstärkt kontrolliert werden.

Dagegen ist es im Süden Brandenburgs nach früheren blutigen Konflikten mit Schüssen und Messerstichen eher ruhig. Hier haben die Hells Angels die Szene fest im Griff, kontrollieren den Drogenhandel, machen aber im Rotlichtmilieu und mit Schutzgeld Geschäfte. Sorgen bereiteten den Ermittlern hier vor allem die engen Bande in die Hooliganszene, zu Kampfsportklubs und Rechtsextremisten.

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