Der Tagesspiegel : Cottbus: Russischer Friedhof von Satanisten geschändet

Sandra Dassler

Die rote Farbe auf den Grabsteinen war noch nicht trocken, als der Ordnungsdezernent der Stadt, Wolfgang Bialas (CDU), schockiert die Zerstörungen in Augenschein nahm: Der russische Soldatenfriedhof in Cottbus ist in der Nacht zum Freitag geschändet worden. Die bislang unbekannten Täter warfen 19 Grabplatten um und beschmierten weitere 14 mit okkulten Symbolen und Schriftzügen. Die Polizei geht bislang von einem "satanistischen Hintergrund" der Tat aus.

Auf dem zentralen Ehrenmal prangte der Schriftzug "Devil in Cottbus", daneben fanden sich so genannte Hexagramme, die Zahl 666 und auf den Kopf gestellte Kreuze. "Allesamt Symbole, die die Herrschaft des Teufels verkünden sollen", kommentierte der Cottbuser Polizeisprecher Berndt Fleischer.

Sechs Straftaten mit satanistischem Hintergrund hat es in diesem Jahr in Südbrandenburg gegeben, drei davon im August. Meist handelte es sich um Friedhofsschändungen, mit einer Ausnahme: In Hohenbocka an der Grenze zu Sachsen war vor wenigen Wochen ein gehäuteter Igel vor einer Leichenhalle abgelegt worden, daneben fanden sich satanistische Zeichen. In den Jahren zuvor sind solche Delikte äußerst selten vorgekommen, sagt Fleischer: "Nachdem 1996 die Mitglieder einer satanistischen Sekte in Finsterwalde aufgespürt und wegen begangener Straftaten wie Schändung der Totenruhe oder Sachbeschädigung verurteilt worden waren, gab es keine Hinweise darauf, dass sich ähnliche Gruppen gebildet hätten".

Beim brandenburgischen Landeskriminalamt (LKA) sind im vergangenen Jahr insgesamt 20 Straftaten mit satanistischem Hintergrund registriert worden. Satanismus selbst ist nicht strafbar. LKA-Sprecher Peter Salender findet diese Zahl im Vergleich zu anderen Delikten relativ gering: "Es weist nichts darauf hin, dass Satanismus in Brandenburg verstärkt auftritt", stellt er fest.

Eine andere Position vertritt dagegen der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg, Thomas Gandow. Seit Jahren weise er darauf hin, dass "Satanismus und Rechtsextremismus in Brandenburg eine unheilige Allianz" eingingen. Seiner Ansicht nach nehmen Polizei und Politik das Thema nicht ernst: "Ich fordere schon lange, dass die Verharmlosung solcher Delikte aufhört. Bei Friedhofsschändungen muss der Staatsschutz ermitteln. Das sind keine Dumme-Jungen-Streiche, da werden Grundwerte unserer Gesellschaft angegriffen. Es ist doch kein Zufall, dass der russische Soldatenfriedhof geschändet wurde", sagt der kirchliche Sekten-Experte und ist sicher, dass das "zu außenpolitischen Verwicklungen führen" werde.

In Cottbus ist man sich der Konsequenzen der Tat durchaus bewusst. Die Stadtverwaltung drängt auf schnelle Aufklärung. Die meisten Symbole wurden gestern wieder entfernt. Schwierigkeiten bereitet allerdings die Säuberung des zentralen Ehrenmals. Das besteht aus Sandstein, der die rote Farbe tief eindringen ließ. So wird hier noch etwas länger nachzulesen sein, dass der Teufel, das Böse jetzt in Cottbus ist.

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