CSU : "Der Spuk muss ein Ende nehmen"

In der CSU geht die Angst um - die Angst vor der Lächerlichkeit. Nach der Forderung der Fürther Landrätin Gabriele Pauli nach einer Ehe auf Zeit befürchten die Parteispitzen, dass die Wahl des neuen Vorsitzenden und der Abschied von Edmund Stoiber im Medienzirkus untergeht.

Carsten Hoefer[dpa]
Pauli
Gabriele Pauli zieht Stoiber die Ohren lang (Archivbild). -Foto: ddp

Bad Staffelstein Mit ihrem Vorschlag hat Pauli die Christsozialen nach Einschätzung vieler Parteigrößen in die Nähe zum Klamauk gebracht. Befürchtet wird, dass die Wahl des neuen CSU-Vorsitzenden am übernächsten Wochenende in München durch Paulis chancenlose Kandidatur zum Spektakel verkommt und einen würdigen Abschied für Edmund Stoiber verhindert. Reihenweise äußern CSU-Spitzenleute ihr Entsetzen. Stoiber selbst seufzte öffentlich in der "Bild"-Zeitung: "Das ist ein solcher Unsinn."

Krampf, Unfug, Irrsinn, Fall für den Psychiater - zu diesen und ähnlichen Vokabeln greifen die CSU-Politiker. Der designierte Ministerpräsident, Innenminister Günther Beckstein, sagt über die neuesten Vorschläge der Landrätin: "Das ist ein oberflächliches Gerede, hinter dem keine ernsthafte politische Absicht steht."

"Friedensfest" gestört

Pauli stört das sich abzeichnende "Friedensfest" zwischen Stoiber und seinen Nachfolgern. Und dies, da der wegen seines erzwungenen Sturzes lange zürnende CSU-Chef und Ministerpräsident eben erst vor der Landtagsfraktion verkündete, er gehe "ohne Groll". Bei der Gelegenheit erteilte Stoiber erstmals Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) den Befähigungsnachweis für den Parteivorsitz. Der gestürzte Patriarch und seine Partei hätten wieder zu größter Geschlossenheit gefunden, versichern alle Beteiligten.

Dass Huber die Kampfabstimmung gegen Parteivize Horst Seehofer gewinnen wird, gilt als klar. Der Bundeslandwirtschaftsminister hat in den vergangenen Wochen mehr als deutlich signalisiert, dass er im Falle einer Niederlage nicht schmollen, sondern auf dem Platz bleiben werde. Abgewendet wurde auch die Gefahr eines dramatischen Parteitags-Auftritts der ehemaligen Seehofer-Geliebten mit der kleinen außerehelichen Tochter. Alles schien geordnet.

In dieses Szenario platzte nun Pauli mit der Sieben-Jahres-Ehe. In einer freien Gesellschaft dürfe jeder frei seine Meinung äußern - "und jede Dummheit", sagt CSU-Chefdenker Alois Glück. "Dass das mit der CSU in Verbindung gebracht wird, das ist das Ärgerliche." Pauli tritt unter dem CSU-Logo an und wird in den Medien als "CSU-Frau" geführt. "Dieser Spuk muss bald ein Ende haben", sagt Innenstaatssekretär Georg Schmid.

Letzter Vorhang für Pauli?

Dabei herrscht in der Partei eher Fassungslosigkeit als Empörung. Niemand hält den Vorschlag einer befristeten Ehe für ernsthaft diskussionswürdig. Denn es ist schlicht unvorstellbar, dass ausgerechnet die CSU die zentrale Bastion des abendländischen Familienlebens demontiert. Bei der CSU-Herbstklausur in Kloster Banz liefern Paulis Vorschläge auch Stoff für viele Witze. "Ich bin 28 Jahre verheiratet. Ich habe den Pauli-TÜV schon vier Mal bestanden", scherzt ein Kabinettsmitglied.

Fast alle CSU-Politiker hoffen inbrünstig, dass mit dem Ende des Parteitags auch der Vorhang für Pauli fällt. Danach, so hoffen die meisten, werden die Medien ihr Interesse an der Landrätin verlieren. Eine Chance auf den Parteivorsitz hatte die 50-Jährige nach allgemeiner Überzeugung ohnehin nie.

Nun hat Pauli nach ebenso allgemeiner Überzeugung auch die letzte Chance verspielt, ihren Sitz im Parteivorstand zu behalten. Die Landtagsabgeordnete Christine Haderthauer sagt dazu: "Eine solche Forderung erhebt jemand, der beim Parteitag mit einer einzigen Stimme zufrieden ist - und das ist die eigene." (mit dpa)