CSU : Unzufriedener Stoiber nährt Putschgerüchte

Einen Monat vor dem Ende seiner Amtszeit teilt Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber noch einmal aus. Freiwillig habe er seine Ämter sicher nicht zur Verfügung gestellt. Nun müssten sich die Nachfolger an ihm und seinem Ziehvater Strauß messen lassen.

Petr Jerabek
Stoiber
Hängt am Amt. Edmund Stoiber will seine Ämter nicht freiwillig abgegeben haben. -Foto: ddp

MünchenEr gibt sich diplomatisch - doch was zwischen den Zeilen zu lesen ist, wird die Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber nicht freuen. Der 65-Jährige spricht in einem Interview über seine Gefühle und nährt dabei Spekulationen über einen Putsch von Wildbad Kreuth, die Innenminister Günther Beckstein und Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) so gern aus der Welt schaffen würden.

Dem Magazin "Stern" sagte Stoiber: "Klar ist, dass ich natürlich nicht von mir aus in Kreuth meine Ämter zur Verfügung gestellt habe oder zur Verfügung stellen wollte und auch niemanden selbst für die Nachfolge vorgeschlagen habe. Das hat auch jeder mitbekommen." Und auf die Bemerkung, er sei in einem Hinterzimmer gestürzt worden, entgegnete der CSU-Chef süffisant: "Sie sagen aber Sachen... das hören aber manche nicht gerne, 'gestürzt'". Vor allem der künftige Ministerpräsident Beckstein hatte sich in den vergangenen Monaten vehement gegen Spekulationen gewandt, es habe bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im Januar einen Putsch gegen Stoiber gegeben: Berichte über "Königsmörder" seien "Quatsch".

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion sieht in Stoibers jüngsten Aussagen einen Beleg dafür, dass die "Fassade der heilen CSU-Welt bröckelt". "Das Bild von einem freiwilligen und geordneten Übergang bricht zusammen", betonte SPD-Fraktionsvize Thomas Beyer. Stoiber stelle klar, dass sein Rückzug erzwungen worden sei. Das sei eine schwere Hypothek für den designierten Nachfolger Beckstein: "Beckstein wird den Makel des Königsmordes nicht los."

Abschied mit Schmerzen

Stoiber gibt einen Monat vor seinem Rückzug von seinen politischen Spitzenämtern einen ungewohnten Einblick in seine Gefühlswelt. "Kreuth hat mir wehgetan. Ich bin ja auch nur ein Mensch", sagte der 65-Jährige - und wieder schwingt ein unausgesprochener Vorwurf an seine "Parteifreunde" mit, die nicht zu ihm gehalten haben. "Es sind so viele Klischees im Umlauf: der Stoiber, der ewige Macher, die Machtmaschine. (...) Wer mich gut kennt, weiß, dass es so einfach nicht ist."

Er sei jetzt "in einer Phase, da könnte man das locker noch zwei oder drei Jahre machen, aber es muss nicht unbedingt sein", sagte Stoiber. Andere hätten es anders gewollt, "das musste ich akzeptieren". Und der scheidende Ministerpräsident verriet auch, dass es bei ihm "sicher einen Abschiedsschmerz geben" werde. Schließlich lasse er "viele Mitarbeiter und politische Freude" zurück. Seine Nachfolger lässt Stoiber einmal mehr wissen, dass er selbst für sie zusammen mit CSU-Übervater Franz Josef Strauß der Maßstab ist: "Die Bewährung für die neue Spitze heißt: den hohen Level der CSU zu halten." Er übergebe das Land in einem "optimalen Zustand".

Menschlichen Beistand erhielt der Stoiber in den letzten Wochen vor seinem unfreiwilligen Rückzug ausgerechnet von einem einstigen politischen Kontrahenten: "Vor Kurzem hat mir Otto Schily einen sehr netten, persönlichen Brief geschrieben. Das hat mich wirklich gefreut, denn der Schily und ich, wir haben uns mitunter ja auch ganz schön gefetzt über all die Jahre", sagt Stoiber. Und jetzt schreibe
ihm der SPD-Politiker sinngemäß, dass das Leben ohne Politik sehr schön sein könne. Stoiber freut sich jedenfalls schon darauf, wieder Zeit zu haben - "Zeit für die Familie, Zeit für Freunde, Zeit zum Lesen, zum Skilaufen". (ddp)