Dalai Lama im Kanzleramt : ''Alte Freundschaft'' bleibt bestehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Dalai Lama im Kanzleramt empfangen. Für das Treffen nimmt Merkel massive Spannungen in den deutsch-chinesischen Beziehungen in Kauf.

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Kanzlerin Merkel und der Dalai Lama -Foto: ddp

BerlinDas Gespräch mit dem Dalai Lama war auf eine knappe Stunde angesetzt und von Merkel als privater Gedankenaustausch bezeichnet worden. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter sieht seine guten Beziehungen zur deutschen Bundeskanzlerin nach dem Treffen bestätigt. Er sei froh, dass die CDU-Politikerin "die alte Freundschaft" bewahrt habe. Häufig gebe es Menschen, die in hohen Positionen eine erstaunliche Distanz aufbauten. Merkel gehöre nicht dazu, sagte der Dalai Lama.

Unmittelbar vor dem Besuch des Dalai Lama hatte Peking ein für heute geplantes Treffen mit Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) im Rahmen des deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialogs abgesagt. Die chinesische Delegation habe dafür "technische Gründe" angegeben, sagte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums.

Viel Unterstützung für Merkel

Es war das erste Mal, dass das geistliche Oberhaupt der Tibeter im Kanzleramt empfangen wurde. Aus der eigenen Partei sowie von FDP und Grünen erhielt Merkel ausdrücklich Unterstützung. Es sei gut, dass sich die Kanzlerin "nicht hat beirren lassen", sagte Hessens Ministerpräsident und CDU-Vize Roland Koch, der bereits gestern im hessischen Neu-Anspach mit dem Dalai Lama zusammengetroffen war. Der Dalai Lama selbst sagte bei seinem Besuch in dem dortigen Freilichtmuseum Hessenpark: "Die Menschen, die echte Sympathie für Tibet empfinden, unterstützen nicht die Tibeter, sondern die Gerechtigkeit."

"Wir Deutsche können froh und stolz sein, dass Menschenrechtsfragen für Angela Merkel einen so hohen Stellenwert haben und sie in aller Welt Klartext redet und danach handelt", sagte Koch der "Bild am Sonntag".

Westerwelle lobt "kluge Courage" Merkels

Auch der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lobte ausdrücklich den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt. Die Außenpolitik der Regierung Merkel/Steinmeier werde "wohltuend anders als bei der Vorgängerregierung Schröder/Fischer nicht von kurzsichtigen Taktierereien bestimmt, sondern von kluger Courage", so Westerwelle gegenüber der "Frankfurter Rundschau". China sei "selbstbewusst genug, um diesen Meinungsaustausch im Bundeskanzleramt gelassen ertragen zu können".

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth nahm Merkel in Schutz. Die Kanzlerin zeige mit dem Empfang des religiösen Oberhaupts eine verantwortungsvolle Haltung, erklärte Roth im Deutschlandfunk. Die Wahrung der Menschenrechte in Tibet liege auch im deutschen Interesse.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck betonte den Respekt vor der Person des Dalai Lama und dessen Bemühungen um friedliche Konfliktlösungen. "Wir werden aber auch unsererseits darauf achten, dass wir die Diskussion um die Menschenrechtssituation so führen, dass wir möglichst alle im Boot behalten", fügte Beck hinzu. "Alle sind gefordert, sich aus solchen Kontakten nicht zurückzuziehen", meinte der SPD-Chef mit Blick auf die chinesische Führung.

Peking gegen Kontakt mit dem Dalai Lama durch Regierungsvertreter

Im Vorfeld des Besuchs hatte das chinesische Außenministerium gewarnt: "Wir hoffen, dass Deutschland vom höheren Interesse der chinesisch-deutschen Beziehungen ausgeht und dem Dalai Lama den Besuch nicht erlaubt." Peking sei gegen jeglichen Kontakt mit dem Dalai Lama durch Regierungsvertreter. Zuvor war bereits der deutsche Botschafter in Peking, Michael Schaefer, einbestellt worden. China hat von der Bundesregierung mehrfach ein Einreiseverbot des Dalai Lama nach Deutschland gefordert.

Merkel hatte zuletzt bei ihrem China-Besuch vor einem Monat die Einhaltung der Menschenrechte angemahnt. Für Peking ist das autonome Gebiet Tibet ein Teil Chinas. Die chinesische Armee war 1951 in Tibet einmarschiert. Nach einem fehlgeschlagenen Aufstand der Bewohner flüchtete der Dalai Lama nach Indien, wo er seit 1959 in Dharamsala eine Exil-Regierung führt. (mit AFP/dpa)