Dalai Lama im Weißen Haus : "Einmischung in innere Angelegenheiten"

Der Dalai Lama wird bei seinem Besuch in Washington mit der Goldmedaille des US-Kongresses ausgezeichnet. Das Treffen zwischen US-Präsident George W. Bush und dem tibetischen Religionsführer rief in China scharfe Kritik hervor.

Dalai Lama
Der Dalai Lama im Weißen Haus. -Foto: AFP

Peking/WashingtonDas Außenministerium in Peking wertete das als privat deklarierte Treffen zwischen Bush und dem Dalai Lama im Weißen Haus laut der Nachrichtenagentur Xinhua als "grobe Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten". Bushs Sprecherin Dana Perino betonte, Washington habe Peking keinesfalls vor den Kopf stoßen wollen. Am Abend sollte der Dalai Lama in Bushs Anwesenheit mit der Goldmedaille des US-Kongresses (Congressional Gold Medal) geehrt werden.

China nehme den USA ihren Empfang des Dalai Lama sehr übel, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchai, nach Angaben von Xinhua. "Wir haben die USA dringend gebeten, dieses Fehlverhalten zu korrigieren und jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas zu beenden." Liu betonte, dass Tibet ein "unveräußerlicher Teil des chinesischen Territoriums" sei und damit zu Chinas inneren Angelegenheiten zähle. Dem Dalai Lama warf Liu vor, mit der Förderung "abspalterischer Aktivitäten unter dem Deckmantel der Religion" für die Unabhängigkeit Tibets zu kämpfen. Der buddhistische Friedensnobelpreisträger von 1989 versichert hingegen, lediglich für eine Autonomie der Region einzutreten.

Der Besuch des Dalai Lama bei Bush am Dienstag werde sicherlich einen Schatten auf die Beziehungen zwischen den USA und China werfen, hieß es in einem Leitartikel der staatlichen englischsprachigen Zeitung "China Daily". Ende September hatte ein Treffen des Dalai Lama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das deutsch-chinesische Verhältnis getrübt. Ähnlich erging es Österreich und Australien.

China sagt Treffen in Berlin ab

China sagte ein ursprünglich für Mittwoch dieser Woche in Berlin geplantes Treffen mit den USA im Rahmen der 5+1-Gruppe zum iranischen Atomprogramm aus "technischen Gründen" ab. Ein US-Außenamtssprecher vermutete eine "Verstimmung" Pekings als Grund für die Verschiebung. Die Bundesregierung bedauerte die Absage. Der Termin werde hoffentlich bald nachgeholt, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin.

Die US-Regierung bemühte sich sichtlich, die Wogen zu glätten. "Wir wollen keineswegs Öl ins Feuer gießen", sagte Bushs Sprecherin Dana Perino. Bei Bushs Treffen mit dem Dalai Lama sei es lediglich darum gegangen, einem "großen spirituellen Führer" Respekt zu zollen. Vor der Begegnung hatte Bushs Sprecher Tony Fratto gesagt, Washington verstehe die Sorgen der Chinesen.

Privates Treffen im Weißen Haus

Um den inoffiziellen Charakter zu unterstreichen, fand das etwa halbstündige Treffen zwischen Bush und dem Dalai Lama nach Angaben des Weißen Hauses nicht in Bushs Amtszimmer, sondern in einem Raum der Privatresidenz statt. Der Tibeter bedankte sich nach Angaben seiner Mitarbeiter bei Bush und sagte, er habe mit dem US-Präsidenten "eine enge Freundschaft" entwickelt.

Gegen 13 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ) sollte der Dalai Lama die Goldmedaille des Kongresses, die höchste zivile Auszeichnung des US-Parlaments, verliehen bekommen. Bei dieser Gelegenheit wollte sich Bush als erster amtierender US-Präsident öffentlich mit dem Dalai Lama zeigen. Nach Angaben seiner Sprecherin wurde zu diesem Anlass ein gemeinsames Foto geplant. An der Zeremonie sollten auch der Friedensnobelpreisträger und US-Autor Elie Wiesel sowie der US-Schauspieler Richard Gere teilnehemen. (mit AFP)