Der Tagesspiegel : Darauf einen Sanddorn

Christine Berger wurde dank einer kleinen Beere zur Unternehmerin des Jahres

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Petzow - Seine wechselvolle Karriere begann der Sanddorn als schnöder Südfruchtersatz. Ende der 60er Jahre erkannte man in der DDR, dass die kleine orangefarbige Beere eine richtige Vitamin-C-Bombe ist und einen wichtigen Beitrag zur Volksgesundheit leisten kann. „Zitrone des Nordens“ nannte man sie liebevoll, und Nina Hagen widmete ihr eine Textzeile: „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee …“, sang sie 1974.

Doch nach der Wende vergaßen die ehemaligen DDR-Bürger den Sanddorn. Der saure Beerensaft schmeckte wohl zu sehr nach Vergangenheit. Das hat sich aber wieder geändert: Sanddornsaft gibt es in Supermärkten, Cafés und Bioläden. Und dafür ist auch Christine Berger verantwortlich. Die Unternehmerin führt in Petzow bei Werder einen Sanddorn-Betrieb. Das fußballfeldgroße Areal mit Kräutergärten, Hofladen und Gewächshäusern liegt idyllisch auf einer Landenge zwischen dem Lindower See und dem Schwielowsee. Vor wenigen Wochen ist Berger vom Brandenburger Wirtschaftsministerium unter 70 Bewerberinnen zur Unternehmerin des Jahres gewählt worden. Ihre hellblauen Augen blitzen stolz, wenn sie sagt, wie gut ihr der Preis getan habe.

1993 hatte Berger die Idee, die Sanddornbeeren zu verarbeiten und zu vermarkten. Sie übernahm die Sanddorn-Versuchsfelder der Humboldt-Universität, auf denen ihr Mann, ein Wissenschaftler, geforscht hatte. Ihren Ein-Frau-Betrieb nannte sie Christine Berger GmbH. Die Anfangsinvestition betrug 1,5 Millionen Euro, ihr ökonomisches Wissen hatte Berger aus der Abendschule. „Ich war eine Sanddornpionierin“, sagt die 54-Jährige, die aus einer Beelitzer Bauernfamilie stammt. „Ich war fasziniert von der Vielseitigkeit dieser Frucht. Schon Dschingis Khan hat sich und sein Pferd mit Sanddornöl gepflegt“, weiß Christine Berger.

Mittlerweile ist aus ihrem kleinen Unternehmen der Sanddorn-Marktführer in Deutschland geworden. Berger exportiert auch ins europäische Ausland und beschäftigt 26 Mitarbeiter plus vier Azubis. Der Ehemann arbeitet ebenfalls mit, er kümmert sich um die 50 Hektar großen Sanddornpflanzungen bei Werder. Geerntet wird im September. Christine Berger managt die Vermarktung und den Hofladen. 50 Sanddornprodukte gibt es hier, vom Saft bis zur Seife, vom Tee bis zum Schnaps, von der Nudel bis zum Honig. Alles im charakteristischen hellen Orange der Beere.

Hinterm Laden leuchtet die grün-blau gestrichene Orangerie. An Wochenenden drängen sich hier Berliner und Potsdamer, um zum Beispiel mit Sanddorngeist flambierte Kaninchenleber zu essen. In einer daneben gelegenen Halle stehen Edelstahlkessel, in denen 110 000 Liter Sanddornsaft lagern und teils zu Wein und Likör vergären. Am „Tag des offenen Unternehmens“ können sich Besucher erklären lassen, wie das funktioniert. lich

Frucht-Erlebnis-Garten Petzow bei Werder, Fercher Str. 60. Näheres im Internet unter www.sandokan.de

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