Der Tagesspiegel : Das Besondere im Alltäglichen

Saab stirbt, Volvo lebt – die Marke hat dank eigener Entwicklungen noch einen Kern. Der D 5 im gelifteten S 80 ist ein Beispiel dafür

Eric Metzler
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Es ist, wonach es aussieht – ein Vergnügen, darin Platz zu nehmen. Das Interieur ist edel, ohne dick aufzutragen. Alles wirkt aus...

Autofahrer und Schlüsselreize? Die einen sehen eine glänzende Felge mit zwei Dutzend verchromter Speichen und schwelgen in sich hinein: Nichts geht über einen alten Briten! Andere, und zu denen zählen wir, streichen mit der Hand über matte Holzeinlagen im Armaturenbrett und freuen sich still: Ja, so echt, so warm können das nur die Schweden. Ein schöner, ein unscheinbarer Moment im Meer der Gleichteile. Er verrät eine Menge über die Spezialisten, die sich im vergangenen Jahr für einen S 80 entschieden haben: Männer meistens, Freunde klaren Designs und bekennende Anhänger ursprünglicher Werte. Ringe, Sterne oder blauweiße Fähnchen begreifen sie vielleicht als Staubfänger, keinesfalls aber als Statussymbol – gut situierte Autofahrer mit Herzensbildung.

Diese Spezies findet bei Volvo noch am ehesten, was in den Abteilungen Familie und Geschäftsreise in den letzten Jahren auf breiter Front wegglobalisiert wurde. Autos mit unverwechselbarer Ausstrahlung auf der Basis einer erkennbaren Philosophie. Gut, längst gehört Volvo zu Ford - so wie Saab zu GM. Aber der Unterschied ist offensichtlich. Aktuelle Modelle von Saab werden inzwischen selbst von den treuesten und naivsten Kunden als spargelutschte Amerikaner entlarvt – dies und nicht die Finanzkrise ist der Grund, warum eine einst stolze Marke nun auf die Beisetzung wartet. Volvo dagegen kann hoffen: Hier durfte man auch unter Fremdherrschaft eigenartig bleiben, ein bisschen zumindest, eigenartig genug, um den Kern der Marke in die neue Zeit zu retten. Natürlich spielt das Aussehen eine Rolle; das markante Familiengesicht, immerhin trägt Volvo noch eins, auch wenn man zuletzt auf die ein oder andere Trend-Falte besser verzichtet hätte. Aber viel wichtiger sind die Verarbeitung und eine Sicherheits-Politik, die immer wieder neue (und vor allem eigene) Entwicklungen hervorbringt: Aktive Kopfstützen, Kameras gegen den toten Winkel und Assistenten, die vor eigenem Fehlverhalten am Steuer genauso warnen wie vor der Dummheit Dritter.

All das prägt natürlich auch das Spitzenmodel des Hauses, den S 80. Nach drei Jahren Laufzeit hat sich Volvo das Flaggschiff noch einmal zur Brust genommen, um es „charismatischer, premiumhafter“ zu machen, wie es nüchtern bei der Vorstellung hieß. Herausgekommen ist beim Verfeinern des Feinen dreierlei: Gänzlich neue Dieselmotoren, die Option Sport-Fahrwerk und kleine Retuschen innen wie außen. Beginnen wir mit dem Wichtigsten, den beiden Selbstzündern mit 2,4-Liter-Maschine. Wie gehabt sind der D 5 und der 2,4 D mit fünf Zylindern bestückt. Ansonsten ist kein Schräubchen auf dem anderen geblieben. Die Ingenieure hatten freie Hand, um das gesetzte Ziel unter dem Rubrum „Downsizing“ zu erreichen: Die Euro-5-Aggregate sollten kraftvoller, aber effizienter zu Werke gehen, sparsamer, also auch sauberer. Dass so etwas nichts mit Hexerei, aber viel mit Perfektionismus zu tun hat, haben viele Hersteller in letzter Zeit eindrucksvoll bewiesen: Bei Architektur und Steuerung moderner Motoren ist soviel in Bewegung gekommen, dass die Bezeichnung Fortschritt ausnahmsweise mal Sinn ergibt.

Beim 205 PS starken D5 äußert sich das grob vereinfacht so: Statt einem kommen zwei unterschiedlich dimensionierte Turbolader zum Einsatz. Der kleine sorgt für spontanen Antritt bei niedrigen Drehzahlen; der große macht Dampf bei hohem Tempo. Der Fahrer kann die Kraft des S80 schnell und gleichmäßig über ein breites Drehzahlband abrufen: Experten zeigen mit dem Beamer an dieser Stelle gerne eine hoch und flach verlaufende Drehmomentkurve, wobei an der höchsten Stelle 420 Newtonmeter notiert sind.

Unser Fahreindruck deckt sich mit dieser Verheißung: Der D 5 ist kraftvoll (aber leise); er fährt sich um Längen souveräner als sein Vorgänger. Dass der Verbrauch dabei bis zu acht Prozent niedriger liegt, ist winzigen Düsen zu verdanken: Piezo-Injektoren machen ihre Arbeit mit Hochdruck, aber effizient. Sie spritzen präzise die Menge an Kraftstoff in den Brennraum, die für den jeweiligen Fahr-Moment benötigt wird. Das Ergebnis für ein Auto dieser Größe kann sich sehen lassen: 6,7 Liter verbraucht der S80 mit Automatikgetriebe. Die Maschine im 2,4 D arbeitet nach demselben Prinzip, begnügt sich aber mit einfacher Aufladung.

Wenn der überarbeitete, bereits bestellbare S 80 im Frühsommer auf unsere Straßen kommt, werden ihn wohl nur Liebhaber erkennen. Vielleicht am größeren Volvo-Logo am Grill, an den Chromleisten unter den Türen oder am breiteren Schriftzug auf dem Kofferraumdeckel. Im Inneren fällt gleich das neu gestaltete Lenkrad auf; es ist dicker geworden, liegt besser in der Hand und wurde mit samtmattem Alu verziert. Mit dem gleichen Material haben die Gestalter die frei schwebende Mittelkonsole eingefasst – eine überflüssige Maßnahme, die Puristen nicht gefallen wird. Eine Etage höher werden Detailisten allerdings entschädigt: Die Kreise aus echtem Aluminium, in denen die Ziffernblätter liegen, wirken wie edelste Handarbeit. Sie haben, ganz wie die Einlagen aus Holz gleich daneben, das Zeug zum Schlüsselreiz.

Die Preise für den S 80 D 5 beginnen bei knapp unter 40 000 Euro für die Version Kinetic (AWD ca. 2500 Euro Aufpreis). Das neue Sportfahrwerk mit automatischer Niveauregulierung kostet 890 Euro.

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