Der Tagesspiegel : Das Moderne ist nicht gut genug

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VON WOLFGANG JOOP

Potsdam ist so fragil! Das Bild dieser Stadt, ihre Anlage – all das ist über Jahrhunderte gewachsen, gestaltet von klugen Königen, großen Baumeistern und Gartenkünstlern Preußens. Es hat sich ein unverwechselbarer Stil herausgebildet, im Lauf der Zeit behutsam austariert. Alles hat seinen Sinn. Am Alten Markt aber, dem Herz der Stadt, ist diese Komposition zerstört.

Das Fortunaportal wirkt dort heute wie ein vergessenes, einsames Souvenir: Man merkt, wie sehr das Stadtschloss fehlt, das jetzt, nach mehr als einem Jahrzehnt des Palaverns, äußerlich dem Stadtbild zurückgegeben werden soll. Endlich! Warum keine moderne Architektur für den auf dem Grundriss des Schlosses geplanten Landtagsbau? Moderne Architektur ist nicht gut genug! Man braucht nur hinüber nach Berlin zu schauen, auf die jüngeren Zeitgeist-Klötze aus Stahl, Glas und Beton, alles halb gar, halbherzig und beliebig. In der Großstadt kann man solche Sünden vielleicht noch ertragen, nicht aber im filigranen Ensemble der Sanssouci-Stadt.

Dass sich hier die PDS als Verfechter von Zeitgeist-Architektur geriert, um das Schloss zu verhindern, wundert nicht: Im Grunde steckt immer noch jener naive Fortschrittsglaube dahinter, mit dem die SED das alte Potsdam fast ausradierte, um ein „neues Potsdam“ aufzubauen. Der innere Konsens dieser Partei basiert eben nicht auf humanistischer Bildung und Ästhetik. Rettet in Potsdam, was zu retten ist! Stellt wieder her, was dieser beschädigten Perle entrissen wurde!

Das wird sich für die Stadt, ihre Bürger und Gäste, ja, für das Land Brandenburg auszahlen. Klar gesehen gibt es keine Alternative, als das alte Potsdam so aufzubauen wie es einmal war. Architektur muss auch kommende Generationen überzeugen.

Wolfgang Joop (60) ist einer der einflussreichsten Mode-Designer Deutschlands. Er ist in Potsdam geboren und kehrte nach der Wende in die brandenburgische Landeshauptstadt zurück.

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