David Chipperfield : Ein neuer Entwurf für die Museumsinsel

Der Architekt David Chipperfield hat heute in Berlin seinen geplanten Neubau für die Museumsinsel vorgestellt. Nach Protesten hatte er den ursprünglichen Entwurf überarbeitet.

Chipperfield Foto: AFP
Lustwandeln: David Chipperfields Entwurf für die James-Simon-Galerie. -Foto: AFP

Der überarbeitete Entwurf des britischen Architekten David Chipperfield für das Empfangsgebäude der Berliner Museumsinsel hat Kolonnadencharakter. Bei der Vorstellung des Modells in Berlin äußerten sich der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, und der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, begeistert über die Pläne. "Chipperfield vollendet die Arbeiten des preußischen Baumeisters Friedrich August Stüler", sagte Schuster. Auch Birgit Lukas von der Gesellschaft Historisches Berlin hält den neuen Entwurf für wesentlich gelungener als die vorherigen. Die Gesellschaft hatte beim Petitionsausschuss des Bundestages gegen ursprüngliche Chipperfield-Baupläne Beschwerde eingelegt.

Mit der James-Simon-Galerie wird die Freifläche vor dem Neuen Museum geschlossen. Auf einem Sockel soll den Plänen zufolge ein offener, lichtdurchfluteter Kolonnadengang entstehen. Dieser beginnt am Pergamonmuseum und führt bis fast in den Lustgarten und zum dortigen Alten Museum. In ihm kann auch ohne geplanten Museumsbesuch flaniert werden. Der Wandelgang grenzt unmittelbar an die Spree. Im Sockel sollen sich auf zwei Etagen die Gastronomie, Seminarräume und Museumsläden befinden. Zudem werde es dann erstmals auf der Museumsinsel Platz für Wechselausstellungen geben, sagte Lehmann.

Die Museumsinsel, ein "Ort der Sehnsucht"

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Die Freifläche auf der die so genannte James-Simon-Galerie entstehen soll. -Foto: dpa

Diese doppelte Funktion unterstrich auch Chipperfield. Für das Neue Museum "ist die Unterbringung der notwendige Infrastruktur eine Last gewesen". Daher habe der Wunsch nach eine Eingangsgebäude bestanden, erklärte der Architekt. Er erläuterte, dass sein Entwurf die vorhandenen Baustile aufnehme, aber auch neue Elemente enthalte.

Mit Blick auf die Kritik an den vorherigen Plänen, sagte Schuster, dass die Architekten auf der Museumsinsel immer zeitgenössisch gebaut hätten. Chipperfields Entwurf setze diese Tradition fort. Ein konsequent historischer Baustil wäre "ein Verrat am Ensemble" gewesen, erläuterte Lehmann. In den vergangenen Tagen sei bereits die Unesco über den geplanten Bau informiert worden. Die Museumsinsel werde ein "Ort der Sehnsucht" bleiben.

Eine "ästhetische Vorschule" geschaffen

  Auch Schuster betonte die "Würde der Galerie". Sie sei ein "Tempel auf einem Sockel" und stimme die Besucher auf die Museen ein. Der Entwurf sei ein "Zeugnis der Klassischen Moderne ohne Postmoderne und eben deshalb besonders kostbar". Chipperfield habe eine "ästhetische Vorschule" der Museen geschaffen, deren "Wohnzimmer der Lustgarten ist", sagte Schuster.

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Model des Entwurfes für die ames-Simon-Galerie. -Foto: dpa

Lukas verwies darauf, dass es ohne die langjährige Arbeit der Gesellschaft und der Petition mit 14.000 Unterschriften wohl nicht zu einem überarbeiteten Entwurf des Baus gekommen wäre. Sie sei froh, dass das die Idee eines "Glasmonster" nun vom Tisch sei.

Der jetzt vorgestellte Entwurf soll nach Angaben der Stiftung in den kommenden Monaten weiter präzisiert werden. Der Baubeginn ist für 2009 geplant. Die Eröffnung soll 2012 gefeiert werden. Für den Bau sind rund 73 Millionen Euro eingeplant. (mit ddp)

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