DDR-Neubauten : Alternativen zum Plattenbau-Abriss

Der Privatinvestor Heinz Bischoff saniert DDR-Neubauten radikal – und zeigt damit eine Alternative zum Abriss der Wohnblocks und zur Verschönerung des Stadtbildes.

Andreas Voigt
Platte Foto: Mike Wolff
Mann mit Ideen. Wenn Heinz Bischoff saniert, bekommen Plattenbauten warme Farben und eine moderne Ausstattung. -Foto: Mike Wolff

BerlinSorgfältig gearbeitete Putzgliederungen in zartem Beige. Lange französische Fenster, verziert mit dunkelrot geschwungenen Dachgiebeln. Das Wohnhaus in der Köpenicker Wendenschlossstraße 178 hat eine eigentümliche Verwandlung hinter sich. Der Bauunternehmer Heinz Bischoff hat das heruntergekommene Verwaltungsgebäude im Sommer 2005 erworben, entkernt und spektakulär saniert. Noch vor knapp zwei Jahren war es ein grauer, sozialistischer Einheitsplattenbau vom Typ WBS 70.

Auch hinter der neuen Fassade erinnert nichts mehr an vergangene Tage. Ein Concierge soll künftig die Bewohner über den gefliesten Terrakottaboden zum mit leiser Musik bespielten Aufzug geleiten. Fast herrschaftliche, hotelähnliche Etagengänge führen die Mieter anschließend in die zwischen 48 und 73 Quadratmeter großen mit Stuckdecken verzierten Wohnungen. Mehr als 2.000 Wohnungen – die meisten davon am Marzahner Blumberger Damm – hat Heinz Bischoff bereits ein unverkennbares Gesicht verpasst. Die Auslastung seiner Häuser soll bei weit über 90 Prozent liegen.

Vor dem Abriss gerettet und zum Glanzstück geworden

In den Weiten des Berliner Ostens dominieren neben Genossenschaftswohnungen noch immer die großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Seit Jahren gehen sie gegen den zunehmenden Leerstand mit dem sogenannten Rückbau der einstigen Vorzeigebauten vor. In den Ostbezirken sind allein zwischen den Jahren 2002 und 2006 insgesamt 3600 Plattenbauten abgerissen worden. Kostenpunkt: 52 Millionen Euro.

Für den 63-jährigen Bischoff ist dieser Rückbau "in vielen Fällen rausgeschmissenes Geld“. Die bauliche Qualität der Ost-Neubauwohnungen sei unbestritten. "Und die grauen, monotonen Fassaden kann man mit etwas Fantasie zu ganz neuem Leben erwecken“, meint der Ingenieur. "Die Mieter sollen sich wohlfühlen in den Häusern. Dazu gehört auch eine ansprechende Fassade“, betont der bekennende Altbauliebhaber.

Für so viel Idealismus erntete der gebürtige Spreewälder lange Zeit aber nur Hohn und Spott. "Der Bezirk entgegnete mir, dass ich das gewachsene Umfeld dieser Siedlung mit meinen Plänen verhunzen würde.“ Die Reserviertheit gegenüber dem Privatinvestor hat der Bezirk inzwischen abgelegt. Doch Projekte wie seine Häuser am Blumenberger Damm oder das zurzeit entstehende "Europa-Viertel“ an der Hellersdorfer Promenade – wo Künstler die monotonen Fassaden mit Motiven europäischer Altstadtfassaden aufpeppen – bleiben wohl die Ausnahme. "Sie sind sinnbildlich die ,Brosche’, die man nur einmal an der Bluse trägt“, sagt Norbert Lüdtke, Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf. Ähnlichen Projekten erteilt er damit indirekt eine Absage. Der Grund: Anfang der 90er Jahre hätte sich der Bezirk auf eine Gestaltungssatzung geeinigt, die konträr zu dem Gestaltungskonzept von Bischoff stünde.

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Foto: Harald Hauswald, Ostkreuz
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Prachtplattenbauten für jedermann

Die Mieten in Bischoffs Pracht-Plattenbauten liegen zwischen fünf und sechs Euro pro Quadratmeter und sind damit den bezirksüblichen Mietpreisen angepasst. Dennoch, so versichert Heinz Bischoff – stimme die Rendite. "Ich produziere wesentlich günstiger als die großen Wohnungsbaugesellschaften, prüfe Angebote sehr intensiv“, sagt der Investor. Planungsfehler vermeide er so gut es gehe, "gleichzeitig lege ich viel Wert auf eine intensive Baubetreuung“.

Ob sich sein neuestes Projekt in der Köpenicker Wendenschlossstraße finanziell tatsächlich lohnen wird, muss sich aber erst noch zeigen. Der Nobel-Plattenbau ist gerade erst bezugsfertig geworden. Die ersten Mieter sollen jetzt einziehen. Laut Bischoff ist das Interesse schon groß.

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