DDR-Vergangenheit : Weiterer Schießbefehl entdeckt - mit Unterschrift

In Chemnitz ist ein neuerlicher Stasi-Schießbefehl aufgetaucht, der vom damaligen Kompaniechef unterschrieben wurde. Darin heißt es ebenfalls, dass bei "Grenzdurchbrüchen" auch auf Frauen und Kinder geschossen werden soll.

BerlinEin weiterer Schießbefehl der DDR-Staatssicherheit ist in der Chemnitzer Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde aufgetaucht. Dabei handele es sich um einen Auftrag an ein Mitglied der Spezialeinheit "Einsatzkompanie" des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), teilte die Behörde mit. Die Einheit war 1968 gebildet worden und sollte die Fahnenflucht von Soldaten verhindern. Seit Sonntag sorgt ein ähnlicher Schießbefehl aus der Stasi-Außenstelle Magdeburg für Wirbel.

Der Kompanie gehörten zunächst 30 Mitarbeiter an, später durchschnittlich 50 bis 70, die zum Teil konspirativ in Truppenteile der Nationalen Volksarmee (NVA) eingeschleust worden seien, heißt es in der Mitteilung. Die Einheit sei Teil der Hauptabteilung I "NVA und Grenztruppen" des MfS gewesen und 1985 aufgelöst worden.

Im Unterschied zu dem in Magdeburg entdeckten inhaltsgleichen Dokument enthalte die Akte aus Chemnitz auch die Unterschrift des Kompaniechefs, der den Auftrag unmittelbar verantwortete, teilte die Behörde weiter mit. Darin wurde den Mitarbeitern der Spezialeinheit befohlen, Fluchtversuche von Grenzsoldaten oder anderen Personen auch mit Waffengewalt zu vereiteln: "Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen". Jeder Angehörige der Spezialeinheit habe den Erhalt des Auftrags mit seiner Unterschrift quittieren müssen. (mit dpa)