Der Tagesspiegel : Deiche für 200 Millionen verstärkt Platzeck wirbt für

mehr Überflutungsflächen

Claus-Dieter Steyer

Zollbrücke - Selbst die modernsten Deiche Europas würden keine absolute Sicherheit vor einem neuen Jahrhunderthochwasser von Oder und Neiße bieten. Darauf machte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gestern bei einem Besuch anlässlich des 10. Jahrestages der erfolgreichen Abwehr der Flut im Oderbruch deutlich. „Genauso wichtig sind Überflutungsflächen, die das Wasser gefahrlos aufnehmen können“, sagte Platzeck am Deich bei Zollbrücke. Nach den Hochwassern 1997 an der Oder und 2002 an der Elbe hatten Fachleute 16 Gebiete vorgeschlagen, die als Polder geflutet werden könnten. Davon sind bislang nur drei Vorhaben übrig geblieben. In Lenzen in der Prignitz laufen die Vorbereitungen für eine Rückverlegung des Deiches ins Landesinnere um bis zu sieben Kilometer. Schon seit sieben Jahren wird über die 1400 Hektar große Neuzeller Niederung südlich von Frankfurt (Oder) diskutiert, ob sie bei einem neuen Hochwasser geflutet werden könnte.

„Wenn wir in sieben Jahren so weit sind, wäre ich schon sehr froh“, erklärte der Präsident des Landesumweltamtes Mattias Freude. „So lange dauern bei uns eben Planfeststellungsverfahren.“ Betroffen von einer Ausweisung als Überflutungsfläche wären hier rund 350 Kleingartenbesitzer, die ihre Grundstücke räumen oder sich im Notfall mit einer Überschwemmung abfinden müssten. „Wir wollen hier im Katastrophenfall den Deich sprengen, sodass zwischen 50 und 150 Millionen Kubikmeter Wasser von der Oder abgeleitet werden“, erklärte Präsident Freude. „Das wäre eine enorme Entlastung für Frankfurt, Slubice und das Oderbruch.“ Auch in Sachsen-Anhalt wird eine Überschwemmungsfläche geprüft. In die Deiche an der Oder sind seit 1997 rund 200 Millionen Euro investiert worden. An der Elbe kostete die Sanierung der beiden Brandenburger Abschnitte etwa 40 Millionen Euro.

„Wir haben das Menschenmögliche getan, aber die Natur ist unberechenbar“, sagte Platzeck. Niemand könne die Ausmaße eines neuen Hochwassers voraussagen. Claus-Dieter Steyer

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