Der Tagesspiegel : Dem Klima auf der Spur

Neues Potsdamer Forschungsinstitut könnte seine Arbeit bereits im Herbst aufnehmen

Ralf Nestler

In Potsdam soll ein neues Institut entstehen, das sich mit Klimaforschung und Nachhaltigkeitsstudien befasst. Wenn die Planungen zügig weitergingen, könne die Einrichtung bereits ab Herbst ihre Arbeit aufnehmen, sagte Reinhard Hüttl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ).

Hüttl und der Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, sind die Ideengeber für das neue Institut namens IASS (Institute for Advanced Studies in Climate, Earth System and Sustainability Sciences). „Es soll sich nicht nur der klassischen Klimaforschung widmen, die langfristige Veränderungen des Wetters untersucht, sondern auch die Prozesse auf dem Planeten Erde erforschen, die Einflüsse auf das Klima haben“, sagte Hüttl. So würden beispielsweise bei Vulkanausbrüchen enorme Mengen Treibhausgas ausgestoßen. Weiterhin sollen sich die Wissenschaftler am IASS mit einer nachhaltigen Nutzung der Ressourcen beschäftigen. Dabei gehe es sowohl um Rohstoffe als auch um eine weltweit sichere Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln.

Viele der avisierten Forschungsthemen werden bereits jetzt am GFZ und PIK bearbeitet. Das neue Institut sei dennoch keine Konkurrenz, betonte Hüttl. „Es wird kein Forschungsinstitut im engeren Sinne sein. Die Wissenschaftler sollen bereits vorhandene Erkenntnisse zusammenfassen und aufbereiten für die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.“ Als Beispiel nennt er die Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken. Die IASS-Forscher könnten klären, was technisch und geologisch möglich ist – aber auch, wie groß die Akzeptanz in der Bevölkerung ist und welche Erfahrungen andere Länder damit gemacht haben. So entstünden umfassende Empfehlungen für Entscheidungsträger.

Etwa 25 Mitarbeiter sollen dauerhaft im IASS angestellt werden, hinzu kommen ebenso viele Gastwissenschaftler aus aller Welt, die mitunter nur zeitlich befristet in Potsdam forschen werden. Bis diese Größe erreicht ist, werden aber einige Jahre Entwicklung nötig sein, sagte Hüttl.

Bis jetzt ist noch nicht klar, wo das IASS stehen wird. Sowohl GFZ als auch PIK wünschen sich eine räumliche Nähe zu ihren Einrichtungen auf dem Telegrafenberg. Die Entscheidung darüber müssen das Bundesforschungsministerium sowie das Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) gemeinsam mit der Stadt Potsdam fällen.

Auch die Finanzierung des Instituts ist noch ungeklärt. „Die Grundsicherung soll durch den Bund erfolgen, wir wünschen uns aber auch eine Unterstützung des Landes Brandenburg“, sagte Hüttl. Die werde es geben, wenn auch noch nicht klar sei, in welcher Höhe, sagte MWFK-Sprecher Holger Drews. Wie viel Geld Bund und Land für das IASS aufwenden werden, wird voraussichtlich Ende August bekannt gegeben. Ralf Nestler

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