Der Tagesspiegel : Den Abgeordneten aufs Dach gestiegen

Der Turm des Landtages bietet einen einmaligen Ausblick auf Potsdam – leider nicht öffentlich

Michael Mara

Potsdam - Was für eine Aussicht vom höchsten Punkt Potsdams: Die Schlösser, Parks und Seen, auf die man hinunterblickt, wirken wie eine Miniaturlandschaft. „Bei schönem Wetter kann man bis zum Alexanderplatz sehen“, erzählt Hausmeister Siegfried Aberle. Er arbeitet seit sechs Jahren im Landtag auf dem Brauhausberg. Und tatsächlich zeichnet sich am Horizont der Fernsehturm ab. Die Landtagsverwaltung hat es dem Tagesspiegel ausnahmsweise gestattet, bis zur Aussichtsplattform des wuchtigen Turms des Landtagsgebäudes zu steigen, das um 1900 als Reichskriegsschule errichtet wurde und in dem einst die SED-Bezirksleitung residierte. Eigentlich ist der Turm wegen seines baulichen Zustands gesperrt: Durch den Betonboden der Plattform ziehen sich Risse, die rostbraune Farbe blättert von den Wänden, die Brüstung ist verrostet. Auch ein Kasten, in dem früher Turmfalken nisteten, ist verrottet. Die Falken wurden schon lange nicht mehr gesehen – obwohl der Überblick nicht besser sein kann als von hier oben: Der Brauhausberg ist 88 Meter hoch, der Turm rund 50 Meter.

Nach den Turmfalken werden demnächst auch die Abgeordneten das wuchtige Backsteingebäude über den Dächern Potsdams verlassen. Weil es stark sanierungsbedürftig ist, wird auf Beschluss der Abgeordneten ein neuer Landtag in den Umrissen des Stadtschlosses auf dem Alten Markt gebaut. Die Vorbereitungen dafür sind in vollem Gange. Baubeginn soll im Juli 2008 sein, der Umzug aus dem alten in den neuen Landtag ist zur Jahreswende 2010/11 vorgesehen.

So werden nur die nötigsten Sanierungsarbeiten auf dem Brauhausberg erledigt: Reparaturen an bröckelnden Fensterbänken und morschen Fenstern zum Beispiel. Und eine Verschönerungskur für die Kantine, die immer noch an alte Zeiten erinnert.

Was nach dem Auszug des Landtages aus der Immobilie in einmaliger Lage wird, ist offen: Finanzminister Rainer Speer will die einstige Reichskriegsschule „unter den Hammer bringen“. Doch ernsthafte Interessenten sind nicht in Sicht. Vielleicht werden ja die Turmfalken wieder zurückkehren, wenn sich keine Käufer finden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben