Der Tagesspiegel : Denkmal-Börse: Biete Barockschloss, suche Betreiber

Hanne Bahra

Schloss Lieberose ist eines der größten barocken Schlossbauten im Land. Berühmt sind seine üppigen Deckenstukkaturen. Nettogeschossfläche 5000 Quadratmeter. Teilsaniert. Da 1945 der Nordflügel zerstört wurde, ist das Ganze noch ausbaufähig. Grundstücksgröße samt Park: 34 Hektar. Schloss Lieberose ist eines der über 100 brandenburgischen denkmalgeschützten Objekte, die von Mittwoch bis Sonnabend auf der Leipziger Denkmal-Börse zum Kauf, zur Pacht oder zur Vermietung angeboten werden.

Insgesamt rechnet der Veranstalter, die Leipziger Messegesellschaft, mit über 450 Angeboten denkmalgeschützter Immobilien aus Deutschland, Estland und der Slowenischen Republik. Unter den deutschen Anbietern ist der Freistaat Sachsen mit 128 Immobilien am stärksten vertreten. Ihm folgen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Wohnhäuser, Industriebauten, Kirchen und Burgen, alte Stadttore und Mühlen stehen im 262 Seiten dicken Vermittlungskatalog (45 Mark).

Brandenburg bietet in der Mehrzahl Schlösser, Guts- und Herrenhäuser, aber auch Wohnhäuser, Villen, eine Brennerei, eine Bockwindmühle, zwei Wassertürme, eine Tuchfabrik, eine "Höhere Fliegertechnische Schule" und ein altes Kloster an. Auch Honeckers einstige Fluchtburg, die Beelitzer Heilstätten, steht zum Verkauf. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten bringt ein 1769 von Carl von Gontard als Wachhaus für das Neue Palais erbaute, später zum Kastellanshaus umgebautes Gebäude ein: Investitionsbedarf sieben Millionen Mark. Für die im Ortszentrum von Niemegk gelegenen ruinösen Klostermauern aus dem 16. Jahrhundert verlangt das Bundesvermögensamt Potsdam eine Mark. Für 80 000 Mark versucht die Mühlenvereinigung "Fläming e.V." auf diesem Weg eine alte Bockwindmühle zu verkaufen. Vor über hundert Jahren kam sie auf 80 Pferdefuhrwerken in das Dörfchen Marzahna. Noch 1995 wurden die letzten Rekonstruktionsarbeiten durchgeführt, heute wartet das teilweise restaurierte technische Denkmal auf einen neuen Müller und frischen Wind. Reine Verhandlungssache ist der Preis für das Schloss in Fürstenberg. 1741-1782 als dreiflügelige Barockanlage für die mecklenburgische Herzogin Dorothea Sophie als Witwensitz erbaut und seit 1913 als Krankenhaus genutzt, dämmert es heute als Altenpflegeheim einer glanzvolleren Zukunft entgegen.

Auch wenn sie bisher noch nie etwas auf der Leipziger Denkmalbörse vermarkten konnten, ist die Brandenburgische Schlösser GmbH auch diesmal wieder mit von der Partie. Sie handelt dabei nicht mit kleinen Brötchen. Immerhin ist das Niederlausitzer Wasserschloss Fürstlich Drehna architektonisches Zeugnis der Baukunst von der Gotik bis zum Jugendstil. Bis 1986 als Jugendwerkhof genutzt, wurde das von einem 30 Hektar großen englischen Landschaftspark umgebene Schloss inzwischen für 24 Millionen Mark restauriert. Auch das Renaissanceschloss Großkmehlen sucht bereits restauriert einen neuen Nutzer. Die Hoffnung, in Leipzig brandenburgische Denkmäler gut an den Mann zu bringen, hält sich aber sowohl bei Wolfgang Illert als auch beim obersten Landeskonservator, Detlef Karg, in Grenzen. Die Vermarktung von Schlössern läge erfahrungsgemäß bei solchen Messen unter 10 Prozent. "Die Erfolgsquote entsprach bisher auch nicht den Erwartungen", sagt Detlef Karg. Er setzt mehr auf direkten persönlichen Kontakt. Messebereichsleiter Michael Kynast hingegen bekundet Freude darüber, "dass zahlreiche kulturhistorische Bauten, die 1996 und 1998 in der Börse waren, inzwischen neue Besitzer gefunden haben".

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