Denkmal für Opfer : "Grauer Bus" erinnert an Euthanasie-Aktion der Nazis

Am Sonntag wurde in Brandenburg ein Denkmal übergeben, das an die Tötung geistig und körperlich kranker Menschen durch die Nationalsozialisten erinnert. Der "Graue Bus" gleicht den Gefährten, mit denen tausende Menschen 1940 und 1941 in Vernichtungslager transportiert wurden.

Brandenburg/HavelAm Nikolaiplatz in Brandenburg/Havel erinnert seit Sonntag ein "Grauer Bus" an die Opfer der sogenannten Euthanasie-Aktion T4 der Nationalsozialisten. Bei dem Betondenkmal handele es sich um eine Nachbildung der Busse, mit denen 1940 und 1941 physisch und psychisch Kranke von Pflegeanstalten in Vernichtungslager transportiert wurden, erläuterte Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) aus Anlass der Enthüllung. Insgesamt gibt es zwei solcher begehbaren Busse. Während der eine fest in Ravensburg steht, wechselt der andere an Orte der Euthanasie-Aktion. Bis vor wenigen Tagen stand er in Berlin. Bis Oktober bleibt er in Brandenburg, danach wird er nach Stuttgart gebracht.

Nazis ermordeten mehr als 300.000 kranke Menschen

In Brandenburg hatte die Mordaktion am 18. Januar 1940 begonnen. 9722 kranke Menschen wurden getötet. Am Sonntag verfolgten 250 Menschen die Installation des "Grauen Busses" mit einem Kran. Jochen Kreyssig, Sohn des früheren Brandenburger Vormundschaftsrichters Lothar Kreyssig, hielt eine Rede. Lothar Kreyssig hatte sich damals gegen die Morde der Nationalsozialisten starkgemacht.

Schirmherr Fritsch betonte: "Wir dürfen dem Gedankengut, das hinter der 'T4'-Aktion stand, auch heute keinen Raum lassen und haben allen Anlass, unsere Demokratie mutig zu verteidigen." Er bezeichnete die Aufstellung des "Grauen Busses" als ersten Schritt zur Errichtung eines Dokumentationszentrums in Brandenburg.

Den nationalsozialistischen Verbrechen an psychisch Kranken und geistig Behinderten fielen in der Nazi-Zeit mehr als 300.000 Menschen zum Opfer. Allein in der ersten, zentral gesteuerten Phase von Januar 1940 bis August 1941 wurden 70.000 Patienten der deutschen Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Die Opfer dieser Aktion "T4" wurden in sechs dafür umgebauten Tötungsanstalten mit Kohlenmonoxyd erstickt. (jnb/ddp)

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