Der Tagesspiegel : Der Adel rollt den Fläming auf

Die von Lochows bauten in Petkus ein Skater-Hotel und knüpften an Agrar-Traditionen an

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Rund 50 Familien des märkischen Landadels sind seit 1990 nach Brandenburg zurückgekehrt. Da sich seit Donnerstag Europas Hochadel in Potsdam trifft, stellen wir Brandenburger Adlige vor.

Petkus. Dass er skaten könne, sei ja wohl kein Wunder, sagt Ferdinand von Lochow. Schließlich wohnt der 32-Jährige an der kürzlich eröffneten 100 Kilometer langen Strecke „Fläming-Skate“. Die führt direkt am Gutshaus Petkus im Dreieck zwischen Luckenwalde, Jüterbog und Dahme vorbei, dem alten Familienbesitz der von Lochows. Die Familie hat ihn kürzlich zurückgekauft – und die Chance durch die Lage an der in Deutschland einzigartigen Rollbahn erkannt: das Gutshaus wurde zum Skater-Hotel.

Alexandra von Lochow, Ehefrau von Ferdinand und seit zwei Wochen glückliche Mutter, fungiert im „Freizeit- und Jugendgästehaus“ als Geschäftsführerin.

Geld verdient die Familie allerdings nicht mit dem Hotel, sondern mit Landwirtschaft. 130 Milchkühe bedeuten viel Arbeit, dazu kommen 380 Hektar Nutzfläche. Nach der Wende kehrte die Familie von Lochow in die alte Heimat zurück. Von dort war sie 1945 kurz nach der Enteignung zunächst nach Hamburg geflohen, lebte dann eine Zeitlang in Südamerika und Spanien. In Niedersachsen wurde ein neuer Saatgutbetrieb aufgebaut, während im alten Gutshaus der VEB Saatzucht Petkus Labors und Büros unterhielt. Kurz nach dem Mauerfall keimte bei den von Lochows zunächst die Hoffnung auf die unentgeltliche Rückgabe des alten Vermögens auf. Doch es kam anders, nur in wenigen Ausnahmefällen wurde die Bodenreform rückgängig gemacht. So begannen lange Verhandlungen mit der Treuhand über den Kauf und die Pachtung von Flächen. Schritt für Schritt kehrte die alte Adelsfamilie in die alte Heimat zurück. „Die Aufnahme im Ort war überaus herzlich“, erinnert sich Ferdinand. „Mein Vater, der 1940 in Petkus geboren wurde, arbeitete zeitweilig sogar als Bürgermeister und meine Mutter wurde in den Kirchenbeirat gewählt.“ Von Vorbehalten gegen den alten märkischen Landadel hätten sie nichts gespürt. Kein Wunder, sie brachten mit der Landwirtschaft und dem Skaterhotel doch wieder Leben und Arbeitsplätze in den Ort. Claus-Dieter Steyer

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