Der Tagesspiegel : Der Adler bittet zum Tee

Vom heutigen Sonnabend bis zum Dienstag stellt sich das Land Brandenburg in London vor

Matthias Thibaut

London - Mit 15 „Tea Parties“ in und um London will das Land Brandenburg sein Image bei den Engländern polieren. Schon jetzt sind die Briten viertgrößter Wirtschaftspartner Brandenburgs, und das soll noch besser werden. „Brandenburg – just my cup of tea“, lautet deshalb das Motto der Werbekampagne, zu der mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) über 100 Brandenburger auf die Insel reisen: Wissenschaftler wie der Potsdamer Klimaforscher Onno Oncken, die Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe und Tim Wieskötter oder Schüler des Helmholtz-Gymnasiums, die beim „Straßenfußball für Toleranz“ im Londoner East End vorführen, wie Brandenburg Integrationsarbeit macht. Ein Zuschauer bei dem Turnier mit zwölf Teams soll der nach einer rassistischen Attacke in Brandenburg querschnittsgelähmte Noel Martin sein, der aus Birmingham anreist. Eine persönliche Begegnung zwischen Martin und Platzeck vor dem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit am Dienstag ist ebenfalls geplant.

Als Ministerpräsident Matthias Platzeck vor Jahresfrist seinen Antrittsbesuch als SPD-Vorsitzender in London machte, war er ja nicht nur angetan von der Stadt und ihrem überschäumenden Kapitalismus: Dass Schuhputzer im Dealing Room der Deutschen Bank den Bankern die Schuhe polierten, während diese mit Millionen spekulierten, fand Platzeck schon etwas sonderbar.

Nun kann sich das dünn besiedelte Brandenburg als wohltuendes Gegenmodell zu London anbieten: Bei einem „Bird Watching“ (per Video) in der Deutschen Schule in Richmond zum Beispiel wird Brandenburg als „Land des roten Adlers“ präsentiert. Den englischen „twitchers“ oder Vogelbeobachtern werden die Augen übergehen. Auch Kranich, Rothalstaucher oder Schwarzspecht gehören zu den Brandenburger Vogelarten, nach denen sich die Millionen englischer Vogelfans auf ihrer Insel vergeblich umsehen. Wenn sie alle zu Besuch nach Brandenburg kommen, ist es mit der dünnen Besiedlung bald vorbei.

„Geschäfte und Verträge wird es nicht geben“, sagt Brandenburgs stellvertretender Regierungssprecher Mario Fassbender. „Es handelt sich um reine Imagewerbung“. Aber er weiß auch, dass das Programm in der Riesenstadt London etwa so ist, „als würde man eine Tasse Tee ins Meer schütten.“

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