Der Tagesspiegel : Der Aufschwung ist orange

Ab Mittwoch startet EasyJet in Schönefeld. Dafür wird der Flughafen erweitert und zum wichtigsten Standort für Billigfluglinien in der Region

Rainer W. During

Schönefeld. Für die Mitarbeiter des Flughafens Schönefeld steht die Farbe Orange für Aufschwung. Es ist die Farbe von EasyJet. Am Mittwoch um 15.10 Uhr landet aus Liverpool kommend die erste Maschine der Billigfluglinie auf dem einstigen DDR-Flughafen. Die Briten haben den Airport zum neuen Drehkreuz erkoren. Für den Ansturm der billigen Airlines baut die Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH jetzt sogar ein zusätzliches Terminal. Insgesamt werden noch vor dem Startschuss des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) rund neun Millionen Euro in den Ausbau des Standortes investiert. Der BBI wird frühestens 2010 eröffnet.

Bereits nach einer Stunde folgt am Mittwoch der zweite Flieger aus London-Luton. Bis Juni wird EasyJet sechs Flugzeuge in Schönefeld stationieren und 13 Strecken bedienen. Drei tägliche Flugpaare gibt es nach London, je zwei nach Basel, Kopenhagen, Palma und Paris-Orly. Einmal pro Tag werden Athen, Barcelona, Bristol, Budapest, Liverpool, Neapel, Newcastle und Nizza bedient. Und das ist erst der Anfang. 2005 soll die Berlin-Flotte von EasyJet auf zehn Maschinen wachsen. So ist es selbstverständlich, dass Ministerpräsident Matthias Platzeck und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit morgen gemeinsam mit dem britischen Botschafter Sir Peter Torry den EasyJet-Vorstandschef Ray Webster persönlich begrüßen werden. Spätestens dann wird Schönefeld endgültig zu dem wichtigsten Standort der Billigfluglinien in der Hauptstadtregion.

Denn andere Anbieter von Billigflügen wie Germanwings (Zielorte Köln/Bonn und Stuttgart), Ryanair (Zielort London-Stansted), VBird (Niederrhein), Volare-Web (Mailand, Rom, Venedig), Aer Lingus (Dublin), Basiq (Rotterdam), Norwegian (Oslo) und Fairline (Linz, Graz) sind schon da. Am 19. Mai folgt die polnische Wizzair (Katowice).

Für EasyJet wurde bereits Terminal B umgebaut, doch das reicht nicht aus. Während der Sommermonate wird ein zweigeschossiger Anbau in L-Form am bisherigen Kurzzeit-Parkplatz errichtet. Er bietet Platz für fünf Abflug- und Ankunftspositionen sowie weitere Bars und Geschäfte, sagte Flughafen-Sprecher Burkhard Kieker.

Da der Erweiterungsbau die Flugbetriebsflächen nicht betrifft, wird nur eine einfache Baugenehmigung benötigt. In den nächsten Wochen wird in Schönefeld außerdem ein neues Leitsystem installiert. Und gegenwärtig läuft ein Architektenwettbewerb für die Umgestaltung des Bereiches zwischen Flughafen und Bahnhof, die künftig ein überdachter Weg verbinden soll.

Die Billigflieger verzichten auf kostenlose Bordmahlzeiten, Zeitungen, Vielfliegerlounges und gedruckte Tickets. Buchen kann man die günstigsten Preise nur im Internet. Und weil ein Flugzeug nur in der Luft Geld verdient, bleibt den Bodendienst-Mitarbeitern nur 20 Minuten zwischen Landung und Start zum Ent- und Beladen der Maschinen. Nur an der Sicherheit werde nicht gespart, betonen die Airlines übereinstimmend.

Auch bei den ehemaligen West-Berlinern hat das Angebot die Vorbehalte gegen Schönefeld offenbar schrumpfen lassen. Zuwachs und Auslastungszahlen sprechen für den Standort, betont Kieker.

Noch bevor die erste Maschine gestartet ist, hat EasyJet bereits 100000 Plätze verkauft. „Wir registrieren jede Woche etwa 10000 Internetbuchungen“, sagt Marketingmanager Philippe Vignon. Eine Million Schönefeld-Passagiere will man in diesem Jahr befördern. Wer beispielsweise zum Schnäppchenangebot von 2,99 Euro (plus 16 Euro Steuern und Gebühren) für den einfachen Flug nach London will, muss allerdings früh buchen. Wer gestern einen Flug für Mittwoch buchen wollte, musste schon mindestens 82,99 Euro für die Strecke zahlen.

Ryanair, der Hauptkonkurrent von EasyJet, bietet bis Donnerstag im Internet auf ausgewählten Routen, unter anderem Schönefeld–London, sogar 800000 Flugplätze zum Nulltarif an. Der Kunde zahlt nur Steuern und Gebühren.

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