Der Tagesspiegel : Der blaue Dunst der Mohawk

In Kloster Lehnin bauen kanadische Indianer eine Zigarettenfabrik. Die Arbeitskräfte kommen aus der Region – der Tabak nicht

Holger Wild

Kloster Lehnin - Die Rauchzeichen stehen gut. Eine große leere Lagerhalle ist gekauft, ab Ende Februar sollen die Maschinen kommen, die ersten Schulungen für Mitarbeiter laufen schon. Im Mai soll die Produktion beginnen. Dann werden in Kloster Lehnin im Landkreis Potsdam- Mittelmark Zigaretten hergestellt. Die Marke: „Mohawk“. Das Unternehmen: Grand River Enterprises – im Besitz von Indianern vom Stamme der Mohawk.

Seit hunderten von Jahren schon kultivieren die kanadischen Mohawk Tabak. Jener Zweig der Irokesen siedelt heute in einem Reservat entlang des Grand Rivers im südlichen Ontario in Kanada. Als Hochhausbauer sind sie gefragt; aber das nährt heute den Roten Mann nicht mehr recht. Doch auch Tabak bauen die Mohawk weiter an, und vor zwölf Jahren gründeten sieben von ihnen eine Zigarettenfabrik. Schufen Jobs im von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Reservat und profitierten von der dort geltenden Steuerfreiheit, durch die sie die Preise der Konkurrenten unterbieten konnten.

Mit einem „guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, solle die Marke „Mohawk“ nun auch hier überzeugen, sagt Kenneth Lacey, der Geschäftsführer des deutschen Tochterunternehmens. 3,30 Euro kostet eine Packung mit 17 Zigaretten. In Berlin ist sie noch nicht allzu verbreitet, in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland aber findet man sie schon häufiger in den Kiosken.

Die neue Fabrik in Kloster Lehnin soll einmal den europäischen Markt beliefern. 2,5 Milliarden Zigaretten sollen im ersten Jahr produziert werden. Nach drei Jahren soll der Ausstoß auf bis zu sieben Milliarden Stück pro Jahr steigen, die auch nach Dänemark, Schweden, Österreich, Italien und in die Schweiz verkauft werden sollen. „Mohawk“ gibt es in einer leichteren und einer stärkeren Variante, außerdem als Feinschnitt zum Selberdrehen. Auch eine Handelsmarke für Supermärkte wird hier hergestellt.

Mit 40 bis 50 Arbeitern solle die Produktion in einem Gewerbegebiet im Ortsteil Rietz beginnen, nach und nach würden 80 Leute eingestellt, erzählt Lacey. Sie alle sollen aus der Region stammen. Die gute Ausbildung der Arbeitskräfte, die gute Verkehrsanbindung und das preiswerte Produktionsgebäude, das dem Großhändler Lekkerland gehörte, der auch ein Kunde von Grand River ist – das alles sprach nach Aussage von Lacey für die Wahl des Standortes Kloster Lehnin. Knapp 50 Millionen Euro beträgt die Investitionssumme, rund ein Viertel davon sind Fördermittel überwiegend des Landes. Bürgermeister Bernd Kreykenbohm ist naturgemäß froh über die Ansiedlung – auch wenn er sie nur einen „Lichtstreif am Horizont für den ländlichen Bereich“ nennt. Gut möglich, dass Kreykenbohm bald einen echten Mohawk in seinem Dorf begrüßen kann. Der Mitinhaber von Grand River, Ken Hill, reist zu festlichen Anlässen gern aus Kanada an – in der originalen Tracht seines Stammes.

Der Tabak übrigens, der kommt nicht aus Brandenburg – obwohl sein Anbau beispielsweise in der Uckermark auch eine Tradition hat. Aus Griechenland, Brasilien und den Philippinen wird er nach Kloster Lehnin geliefert und zu einem klassischen „American Blend“ gemischt – zu einem Geschmack von Freiheit und Büffeljagd, sozusagen.

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