Der Tagesspiegel : Der Bunker soll offen bleiben

Claus-Dieter Steyer

Diesmal muss der Beton vor dem Eingang zum Honeckerbunker in Prenden möglichst für die Ewigkeit halten. Kein Neugieriger soll mehr ein Loch in die alte Absperrung bohren können und somit in die unterirdische Kleinstadt im 20 Kilometer hinter der nördlichen Berliner Stadtgrenze gelegenen Prenden eindringen. Die bisher georderten Betonmengen für die Verfüllung des einzigen Zugangs in den Bunker, wo Honecker und seine Führungsriege zusammen mit 400 Soldaten einen atomaren Erstschlag überleben wollten, lassen einen riesigen Sperrriegel vermuten. Leider stehen damit auch ganz normale Besucher vor dem Nichts. Wenn die öffentlichen Führungen Ende Oktober enden, wird höchstens ein Erdhügel an das mächtige Bauwerk im Untergrund erinnern.

Aus Kostengründen kann das aus 400 Räumen bestehende Monstrum nicht für immer offen gehalten werden, heißt es von den ehrenamtlichen Bunkerfreunden. Vorstöße beim Berliner Senat, doch Fördermittel zur Verfügung zu stellen, brachten keinen Erfolg. Berlin wäre aber sowieso der falsche Ansprechpartner. Nur der Zufall bescherte der Stadt nach der Wende die Verantwortung für den Honeckerbunker. Kluge Stadtväter kauften vor fast 100 Jahren Acker- und Waldflächen im nördlichen Umland auf, um hier Land- und Forstwirtschaft zu betreiben. Ausgerechnet in dem Berliner Forst bei Prenden baute die DDR-Führung zwischen 1978 und 1983 ihren Atombunker.

Dessen Erhaltung als Museum wäre wirklich eine Aufgabe des Bundes oder von Stiftungen. Gerade im nächsten Jahr, wenn Politik und Medien in geballter Form an den Mauerfall 1989 erinnern werden, dürfte das Fehlen von originalen historischen Schauplätzen deutlich werden. Die Mauer suchen Touristen schon jetzt meist vergeblich. So ein Bunker aber könnte die Auswüchse des Kalten Krieges und die Verschwendung von Ressourcen so deutlich wie kaum ein anderes authentisches Bauwerk den folgenden Generationen vor Augen führen. Wer die Unmengen von Beton, Stahl und Technik sieht und dann erfährt, dass die auserwählten Insassen hier nur maximal zwei Wochen nach einem Atomschlag hätten überleben können, schüttelt über diesen Wahnsinn nur den Kopf. Schade, dass damit in drei Monaten endgültig Schluss sein soll.

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