Der Tagesspiegel : „Der CDU-Parteitag hat weise entschieden“

Petke-Unterstützerin Barbara Richstein über die Zusammenarbeit im neuen Landesvorstand

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Droht nach der knappen Wahl von Ulrich Junghanns zum Parteichef ein permanenter Machtkampf in der CDU?

Solche Befürchtungen sind unbegründet. Mit dem gewählten Vorstand gibt es eine gute Grundlage, die programmatische Neuausrichtung der CDU in Angriff zu nehmen. Der Parteitag hat weise entschieden.

Weise? Der Vorstand wird von Anhängern des unterlegenen Kandidaten Sven Petke dominiert. Wie soll das gut gehen?

Es gab eine Wahl. Alle haben vorher erklärt, dass sie das Ergebnis respektieren wollen. Das gilt. Alle müssen jetzt ein Interesse daran haben, an Gemeinsamkeiten zu arbeiten.

Es wird keine schleichende Demontage von Junghanns geben?

Man wird überrascht sein, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert.

Trotz der persönlichen Verletzungen?

Das muss man professionell sehen. Berufspolitiker müssen persönliche Animositäten zurückstellen können. Und das wird auch geschehen.

Besteht die Gefahr eines Richtungskampfes bei der Neuausrichtung der CDU?

Ich glaube das nicht. Trotz inhaltlicher Unterschiede – deswegen sind wir eine Volkspartei – sind wir uns im Ziel einig, dass die Programmatik erneuert und das Profil der Union geschärft werden muss, um aus dem 19-Prozent-Loch zu kommen. Wir müssen Antworten auf Brandenburger Realitäten, auf die Fragen der Menschen finden und deutlich machen, welchen hohen Stellenwert Sozialpolitik für uns hat. In der Familienpolitik zeigt uns die Bundespartei, wie fortschrittlich die CDU sein kann.

Was erwarten Sie von Junghanns?

Dass er nach vorn schaut, konstruktiv mit allen zusammenarbeitet und die Partei gut auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet.

Und von Jörg Schönbohm?

Er hat die Aufgabe, Ulrich Junghanns dabei zu unterstützen.

Sollte er sich in Parteiangelegenheiten zurücknehmen?

Wir haben eine neue Führung. Ich gehe davon aus, dass er einen Beitrag zur Versöhnung in der CDU leisten will.

Sie unterstützen Sven Petke, der Sie im Fall seiner Wahl zur Generalsekretärin machen wollte. Warum eigentlich?

Weil ich glaube, dass er die Union mit einer guten Mannschaft und guten Inhalten aus dem 19-Prozent-Loch führen kann. Und weil ich den Ansatz mittrage, dass es kein „Weiter so“ geben darf.

Stehen Sie auch unter Junghanns als Generalssekretärin zur Verfügung?

Das sind Dinge, die der Landesvorsitzende regelt.

In der SPD wird vermutet, dass Petke die CDU in die Opposition führen will, um eine bessere Ausgangslage für die Landtagswahl zu haben.

Das sind haltlose Drohkulissen. Ich habe Sven Petke als verlässlichen Politiker kennengelernt. Er hat immer gesagt: Die CDU ist ein glaubwürdiger Koalitionspartner. Ich bin überzeugt, er steht dazu.

Trotzdem gilt Petke als unberechenbar, kann er sich einordnen?

Selbstverständlich wird Sven Petke seine Verantwortung als Stellvertreter wahrnehmen. Aber es liegt nicht nur an ihm, das gilt für jeden. Vorurteile dürfen nicht weitergepflegt werden. Wir brauchen einen echten Neuanfang.

Die SPD befürchtet Turbulenzen.

Den Gefallen, die CDU weiter zu schwächen, werden wir der SPD nicht tun. Vielleicht ist bei der SPD auch ein bisschen Wunschdenken dabei. Die inhaltliche Neuausrichtung wird die Union stärken. Es kann sein, dass die SPD das ängstigt.

Ulrich Junghanns will 2009 als Spitzenkandidat antreten. Unterstützen Sie das?

Traditionell hat der Landesvorsitzende das erste Zugriffsrecht. Die Entscheidung wird der Landesvorstand zu gegebener Zeit treffen.

Die Fragen stellten Michael Mara und Thorsten Metzner

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