Der Tagesspiegel : Der Dschungel muss noch warten

Der Zeitplan für den Umbau der Cargolifter-Halle in Brand zu einer tropischen Erlebnis- und Badewelt ist wohl nicht mehr zu halten

Claus-Dieter Steyer

Brand. Der Zeitplan zur Eröffnung des Tropenparks in der ehemaligen Cargolifter-Halle in Brand ist kaum noch zu halten. Das geht aus internen Berechnungen der zuständigen Kreisverwaltung Dahme-Spreewald in Lübben hervor. Grund für die Zweifel sind die zahlreichen Widersprüche gegen die Anfang Februar erteilte Genehmigung für den Umbau der riesigen Halle. Man wisse zwar nicht genau, wie das malaysisch-britische Unternehmen arbeite, aber der 2. Oktober sei für die Eröffnung ein „sehr ehrgeiziges Ziel“, sagte ein leitender Angestellter der Behörde. Der Landkreis unterstütze aber das Vorhaben für eine tropische Erlebniswelt „mit aller Kraft“, da es keinen anderen Interessenten für die riesige Halle gebe.

Bislang haben die Arbeiten in dem acht Fußballfelder großen Monstrum auf dem 70 Kilometer südlich Berlins gelegenen ehemaligen Flugplatz Brand noch nicht begonnen. Die Beantwortung aller Einsprüche, die sich unter anderem gegen die angeblich unzureichende Einbeziehung umliegender Gemeinden und gegen den hohen Energieverbrauch richten, dürfte sich bis April hinziehen.

Am 2. Oktober sollte das „Tropical Island“ am Randes des Spreewaldes seine Türen öffnen. Hauptinvestors Colin Au aus Malaysia erwartet jährlich drei Millionen Besucher, die auf einem 1,2 Kilometer langen Dschungelpfad exotische Landschaften erleben, sich in einem großen Badesee und auf einem Sandstrand erholen oder sich in einem der sechs Spezialitätenrestaurants amüsieren könnten. Colin Au hatte die 360 Meter lange, 210 Meter breite und 107 Meter hohe Halle sowie das 550 Hektar große Außengelände im Sommer vergangenen Jahres für 17,5 Millionen Euro gekauft. Der Umbau soll rund 50 Millionen Euro kosten. Für die Infrastruktur sind Fördermittel bei der Landesinvestitionsbank beantragt worden.

Der Verwalter des restlichen Vermögens der im Sommer 2002 in die Pleite gerutschten Cargolifter AG, Rolf-Dieter Mönning, bestätigt die zahlreichen Einwände gegen die Baugenehmigung. „Das ist die Folge des deutschen Baurechts“, sagt der in Aachen arbeitende Jurist. „Jeder, der sich von irgendeiner Sache betroffen fühlt, kann Widerspruch erheben.“ Die meisten Einwände kämen von den in der Initiative „Zukunft in Brand“ zusammengeschlossenen Aktionäre der gescheiterten Cargolifter AG.

70 000 Aktionäre hatten einst 307 Millionen Euro für das Luftfahrtunternehmen aufgebracht. Eine aktive Gruppe von etwa 200 Mitgliedern will sich mit dem Verlust ihres Vermögens noch immer nicht abfinden und sucht die Schuld dafür beim Insolvenzverwalter. In einem Schreiben an das zuständige Amtsgericht Cottbus werden Rolf-Dieter Mönning „fehlende Unabhängigkeit“ und „mangelnde Eignung“ vorgeworfen. Es bestehe außerdem der Verdacht auf strafbare Handlungen. Gefordert wird deshalb die einstweilige Entlassung des Insolvenzverwalters. Konkret wird Mönning unterstellt, er habe 180 000 Euro Provision von den Käufern der Halle erhalten. Tatsächlich existiert eine Provisions-Passage im Kaufvertrag. „Allerdings bedeutet Provision in diesem Fall keineswegs eine zusätzliche Einnahme für mich, sondern nur die Hinterlegung einer Summe im Falle des nachträglichen Scheiterns des Kaufvertrages“, erklärt Mönning. Das Geld sei für Versicherungen, Energiekosten und andere Dinge bestimmt.

Der Sprecher des Cottbuser Amtsgerichtes, Wolfgang Rupieper, bezeichnete die Vorwürfe gegen Mönning als bekannt. Schon im Oktober 2003 habe sich das Gericht damit beschäftigt. Es sei damals ein Übersetzungsfehler ermittelt worden. Nun werde die Angelegenheit erneut geprüft. Insovenzverwalter dürften niemals zusätzliche Provisionen annehmen. Allerdings sei von den jetzt begonnenen Ermittlungen der Verkauf der Cargolifter-Halle an die malaysisch-britischen Investoren nicht betroffen.

Nicht nur die Aktionäre, auch zahlreiche Brandenburger Politiker äußern mehr und mehr Kritik am geplanten Tropenpark. Der Wirtschaftsausschuss des Landtages beklagte fehlende Informationen über das Projekt. Wirtschaftsexperten von SPD und CDU bezweifelten die angestrebte Zahl von jährlich drei Millionen Besuchern. PDS-Landeschef Ralf Christoffers stellte die gesamte Wirtschaftlichkeit des Vorhabens in Frage.

Bei den Investoren bleiben solche Kritiken nicht ohne Wirkung. „Wir dachten bislang, wir wären willkommen“, sagte Joachim Hagemann, Geschäftsführer der Tropical Island Management GmbH. „Wenn das Land aber auf 500 Arbeitsplätze verzichten will, muss es das klipp und klar sagen. Die Jobs seien nur durch Menschen aus der Region zu besetzen. Hagemann beklagte einen „seltsamen Umgang mit Unternehmern“. Es sei ungewöhnlich, dass sich ein Wirtschaftsminister nur über die Presse äußere. Konkret sprach er den Antrag auf öffentliche Fördermittel an. „Wir sprechen vertraulich mit der Bank und erfahren die Ablehnung des Ministers Junghanns aus den Medien.“

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