Der Ersatz-Jogi : Wer ist Hansi Flick?

Für rund 30 Millionen Deutsche steht er heute erstmals so richtig im Mittelpunkt. Die TV-Zuschauer und die 42 500 Fans im Stadion sehen beim EM-Viertelfinale gegen Portugal nicht den Bundestrainer an der Seitenlinie, sondern dessen Assistenten Hansi Flick. Wer ist dieser Hans-Dieter Flick?

Flicko
Chef für anderhalb Spiele. Flick beim Coaching mit Lehmann.Foto: dpa

„Für mich war er immer die erste Wahl“, sagte Chef Löw. Aber warum? Als der Assistent des Bundestrainers in den EM-Tagen um eine eigene Job-Beschreibung gebeten wurde, tat er sich auch dabei schwer: „Wir vom Trainerteam" - Pause - „Es hat jeder seine Aufgaben und Freiheiten und kann sich da einbringen.“

So kannte Fußball-Deutschland Flick bisher: stets freundlich, unverbindlich, im Hintergrund. Als Profi erkämpfte er mit Bayern
München vier Meistertitel und einen Pokalsieg, doch andere Namen dieser Bayern-Generation wie Klaus Augenthaler oder Lothar Matthäus prägten sich ein. „Ich bin ein Teamplayer. Ich bin niemand, der immer in der ersten Reihe stehen muss“, sagte der 43-jährige selbst.

Als Trainer hatte er bei seinem Heimatverein FC Bammental in der Oberliga begonnen. Dann folgte die TSG Hoffenheim, die Flick in die Regionalliga führte. Schließlich assistierte er gemeinsam mit seinem Kumpel Matthäus bei den Salzburger „Bullen“ Giovanni Trapattoni.

Löw schätzt bei seinem Helfer Flick vor allem dessen Analyse-Fähigkeit, das taktische Verständnis. „Hansi weiß, wie Jogi
tickt“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff vor dem EM-Viertelfinale gegen Portugal. Vor seinem ersten großen Turnier als Chef hatte sich Löw mehrmals mit seinen engsten Vertrauten Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und Chefscout Urs Siegenthaler zu mehrtägigen Klausursitzungen zurückgezogen. Dabei hat das Quartett für das Turnier in der Schweiz und Österreich auch mehrere „Wenn-dann-Strategien“ entwickelt. Eine Strategie für den Fall eines Platzverweises für Chef Löw aber mussten
die Protagonisten kurzfristig erfinden.

Offiziell hatte der europäische Fußballverband Uefa im Basler St.-Jakob-Park alle Kontakte zwischen dem gesperrten Löw und seinem Stellvertreter Flick verboten, der Bundestrainer sollte auch die Kabine und den Innenraum nicht betreten dürfen. Schon in Wien beim Gruppenfinale gegen Österreich (1:0) hatte Flick das Coaching übernommen, nachdem Löw in der 41.Minute vom spanischen Referee auf die Tribüne verwiesen wurde.

Bei der anschließenden Pressekonferenz waren Flick die Strapazen des ungewohnten Jobs anzumerken. Zu einer klaren Analyse war er nicht in der Lage: „Das ist noch zu frisch“, sagte Flick, als man sich von ihm erläuternde Auskünfte zu Löws Platzverweis erhofft hatte.

 „Mit Flick und Köpke haben wir zwei kompetente Trainer auf der Bank“, sagte Bierhoff zum Wechsel der Coaching-Rolle gegen
Portugal, nachdem die erste Wut über die Entscheidung der Uefa verraucht war. Flick war 2003 bei der Trainerausbildung an der
Sporthochschule Köln zusammen mit Thomas Doll Jahrgangsbester. Bei der Nationalelf ist er auch für die neue Datenbank zuständig, die alle Daten über aktuelle und mögliche Nationalspieler beinhaltet. „Er genießt unser hundertprozentiges Vertrauen“, sagte Bierhoff.

Anders als bei Löw, der sich schon als Assistent von Jürgen Klinsmann auch öffentlich in den Vordergrund geschoben hatte, ist der
148-malige Bundesliga-Profi Flick wieder der Typ des klassischen Assistenten. Dass er nach der schönen Tradition des Deutschen
Fußball-Bundes (DFB), der schon mehrmals die Assistenten zum Chef befördert hatte, einmal Löw als Bundestrainer beerben könnte, ist für Experten derzeit schwer vorstellbar.

Und auch für Flick selbst stellt sich trotz seiner Aushilfe gegen Portugal dieses Thema wohl nicht: „Meine Aufgabe ist, viel Vorarbeit zu leisten für Jogi Löw“, sagte Flick. (dpa)