Der Tagesspiegel : Der Fall "Omar F.": "Die Schläge kamen von allen Seiten"

Heike Kleffner

Immer wieder streichen die schwarzen Hände über die Narben im Gesicht und auf der Kopfhaut. Sichtlich angestrengt berichtete der 33-jährige Sudanese Omar F. gestern vor dem Amtsgericht Senftenberg von dem Überfall auf den Jugendclub in Lauchhammer Ende März 1998. Mehrere Mitglieder der Motorradgang "MC Bones Lauchhammer e. V." hätten seinen Landsmann Luciano J. und ihn damals angegriffen, erzählt der Asylbewerber. "Die Schläge kamen von allen Seiten. Ich habe geschrien wie ein abgeschlachtetes Tier."

Zwei der mutmaßlichen Angreifer wirft die Staatsanwaltschaft deshalb gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vor. Gegen Ausländer hätten sie nichts, sagten die Angeklagten übereinstimmend. Schläge und Fußtritte gegen den wehrlos am Boden liegenden Omar F. bestreiten der 30-jährige Thorsten K. und der 29-jährige Jonny S. vehement. Vielmehr seien sie von den beiden sudanesischen Asylbewerbern schon beim Betreten des Clubs provoziert und bedroht worden; es sei dann zu einem "Handgemenge" gekommen, bei dem jedoch keine harten Schläge gefallen seien.

Omar F. ist seit dem Überall in psychotherapeutischer Behandlung. Im Jugendclub Lauchhammer waren die Spuren des Angriffs noch lange zu sehen. "Die Blutflecken von Omars Verletzungen waren an der ganzen Wand verteilt," berichtete ein jugendlicher Clubbesucher als Zeuge vor Gericht. Der 21-Jährige sagte auch, dass es zu Einschüchterungen potenzieller Zeugen durch Mitglieder der MC Bones gekommen sei. "Wir kriegen dich auch noch, du Negerfreund," habe ihm einer der "Bones" am Tag nach dem Überfall gedroht, weil er Luciano F. bei der Flucht durch ein Fenster geholfen hatte. "Natürlich war das ein ausländerfeindlicher Überfall," sagt der Zeuge dann. Die Biker-Gruppe sei schließlich nur auf die beiden Afrikaner im Raum und nicht auf andere Clubbesucher losgegangen.

Auch Luciano J. ist sich sicher: "Wir sind angegriffen worden, weil wir Schwarze sind." Den Beteuerungen der Angeklagten, bei den MC Bones habe es sich lediglich um einen Motorradclub gehandelt, stehen unter anderem Berichte des Innenministeriums über Skinheadkonzerte mit Neonazibands in den Jahren 1997 und 98 auf dem Bones-Gelände in Lauchhammer entgegen. Und Jonny F. warb noch im vergangenen Jahr mit einer Anzeige ausgerechnet im Neonazimagazin "White youth", dem mittlerweile verbotenen Mitteilungsblatt der "Blood & Honour"-Jugendorganisation, für seinen Tätowiershop.

Das Gericht war gestern an der Aufklärung der widersprüchlichen Aussagen von Zeugen, Angeklagten und Geschädigten über den Tathergang interessiert. Der Verein "Opferperspektive", der Omar F. seit dem Überfall betreut, kritisierte die Länge der Ermittlungen. Darüber hinaus seien Zeugen weder Lichtbilder vorgelegt, noch Gegenüberstellungen gemacht worden. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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