Der Tagesspiegel : Der Fall Schmökel: Die Jagd nach dem Gewaltverbrecher und nach Infos

Holger Stark

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) ist empört. Die Jagd nach Informationen hätte die Jagd nach Frank Schmökel "stark behindert", klagte der Minister gestern (vor Journalisten). Schönbohm kritisierte vor allem den Umgang mit Meldungen über das Fluchtfahrzeug. Mit "partisanenhaften Methoden" hätten einige Journalisten jedes Detail ermittelt und sofort gesendet. Kamerateams hatten den Polizeifunk abgehört und waren rund eine Viertelstunde nach den ersten Meldungen in der Nähe aufgetaucht. Eine geplante Observation des in einem Waldweg abgestellten Fahrzeugs sei damit unmöglich geworden, monierte Schönbohm.

Zuweilen verwischen die Grenzen zwischen Berichterstattung und Fahndung, und zuweilen ist die Öffentlichkeitsarbeit der Beamten etwas unglücklich. Am Sonnabend wollte die Polizei in Frankfurt die Meldung lange nicht bestätigen, dass Schmökels Fluchtauto gefunden wurde. Es gebe "Hinweise auf abgestellte Fahrzeuge", wand sich ein Polizeisprecher. Das traf auf etwa 99 Prozent aller deutschen Straßen zu. Noch am Sonntag wollten Kollegen nicht den sächsischen Ort nennen, an dem Auto und Lager von Schmökel gefunden wurde - seit dem Vorabend waren, siehe Schönbohm, Fernsehteams am Ort.

Andererseits ist kaum eine Großfahndung bislang in einer solch engen Zusammenarbeit zwischen Ermittlungsbehörden und Medien verlaufen. "Wir brauchen Sie, bitte helfen Sie uns", appellierte etwa der Polizeipräsident von Frankfurt (Oder), Hartmut Lietsch an die versammelte Presse.

Wenn es den Fahndern passt, fordern sie die Medien dagegen offensiv auf, bestimmte Informationen zu bringen. "Dringlichst!!! Bitte sofort und so oft wie möglich auch bei den Verkehrsmeldungen veröffentlichen!", forderte die Polizei etwa am frühen Freitag, nachdem sicher war, dass sich Schmökel in dem türkisgrünen Hyundai Pony auf der Flucht befand. Und Minister Schönbohm ging am Sonntag so weit, darum "nachdrücklich zu bitten", die Medien mögen alle Recherche-Ergebnisse zuerst dem Führungsstab der Polizei in Frankfurt (Oder) übermitteln. Das wären dann in erster Linie Fahndungsmitarbeiter, nicht Journalisten.

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