Der Tagesspiegel : Der Fall Schmökel: Die Polizei war mehrfach dicht dran

Holger Stark

Die Polizei hat noch immer nicht die genauen Stationen der Flucht von Frank Schmökel rekonstruieren können. "Wir sind noch dabei, verschiedene Laubeneinbrüche zu untersuchen", sagte gestern der Polizeichef von Frankfurt (Oder), Dietmar Weist. "Er hat einen regelrechten Klauzug unternommen." Der Sexualtäter selbst, dem die Staatsanwaltschaft gestern Haftbefehle wegen Mordes und versuchten Totschlags präsentierte, konnte den Beamten nicht weiterhelfen. Weist: "Er ist noch vernehmungsunfähig." Weist sagte, die Polizei prüfe, ob Schmökel heute oder morgen bereits nach Brandenburg zurück transportiert werden könne. Der Vater der 18-jährigen Mecklenburgerin, die von Schmökel 1994 vergewaltigt worden war, forderte gestern, der Sexualstraftäter dürfe nie wieder die Chance haben, auszubrechen.

Nach der Rekonstruktion der Beamten flüchtete der 38-Jährige am Mittwoch vor zwei Wochen aus der Wohnung seiner Mutter zum nahe gelegenen Gelände des Strausberger Krankenhauses. Während sich die Polizisten zur früheren Wohnadresse Schmökels orientierten, versteckte er sich im Wald, heißt es in seinen Aufzeichnungen, die die "MAZ" veröffentlichte. Von dort wechselte er in der Nacht in eine Strausberger Laubenpiepersiedlung, wo er das erste Mal in einen Bungalow einbrach. Er machte sich Makaroni, rauchte Teeblätter, duschte und ließ vier Messer mitgehen. Nur knapp entging Schmökel dabei Wachchützern, die in seiner Nähe waren.

Am vierten Tag machte sich der mehrfache Vergewaltiger nachts zu Fuß auf den Weg Richtung Berlin und umrundete den Straussee. Am Sonntag, den 29. Oktober erreichte er in den frühen Morgenstunden Postbruch, jenes Gelände, wo er vier Tage später einen 60-Jährigen erschlug. Nach Angaben der Polizei ist noch immer ungeklärt, ob Schmökel den Mann töten oder nur außer Gefecht setzen wollte, um an dessen Auto zu gelangen. Dort wechselte Schmökel mehrfach die Laube. Immer wieder stellte er sich vor, wie es wäre, junge Frauen zu vergewaltigen.

Vom Postbruch aus fuhr der zu 14 Jahren Haft Verurteilte am Donnerstag, den 2. November nach Niesky in Sachsen, wo er vermutlich noch am gleichen Abend direkt im Wald die Schlafstätte einrichtete, die die Polizei zwei Tage später entdeckte. Nach Angaben von Weist stammen das Luftdruckgewehr, eine Plane sowie ein Kissen aus einer der Strausberger Datschen, so dass die Fahnder mittlerweile sicher sind, dass es sich tatsächlich um die Unterkunft des Entflohenen handelte. Noch offen ist, wann Schmökel durch den Polizeiring um den Wald schlüpfen konnte - vermutlich gelang ihm dies erst in der Nacht zu Dienstag.

Nach Weist Einschätzung war die Polizei "mehrfach nah dran, möglicherweise haben wir ihn teilweise sogar überholt". Die Polizei glaubt, dass Schmökel die Flucht zwar geplant hatte, dann aber nicht mehr weiter wusste. Weist: "Das Ganze ist ihm aus dem Ruder gelaufen."

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