Der Tagesspiegel : Der Fall Schmökel: "Ohne Ausweg wird er sich stellen"

Claus-Dieter Steyer

Die Polizei ist bei der Fahndung nach dem Gewaltverbrecher Frank Schmökel am Montag gegen 0 Uhr 30 möglicherweise auf neue Spuren des Flüchtigen gestoßen. Nach Angaben der Polizei wurde ein Pullover gefunden, den Schmökel getragen haben könnte. Das Kleidungsstück soll aus einem Einbruch in einer Laube im brandenburgischen Postbruch bei Strausberg stammen. Schmökel hatte dort am Donnerstag einen 60-jährigen Rentner erschlagen. Die Fahndung konzentriert sich auf Gegenden, in denen sich der Täter auskennt, also auch auf Strausberg, wo Schmökel am 25. Oktober während eines Besuchs bei seiner Mutter entkommen war. Schmökel war wegen mehrerer Sexualdelikte zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, die er im Maßregelvollzug in der Nervenklinik in Neuruppin absitzen musste.

Obwohl die Polizei das Netz um den flüchtigen Straftäter nach eigenen Angaben immer dichter zieht, gab es bis zum Montagabend keine Erfolgsmeldung. Nach wie vor wurde der 38-Jährige im Raum Bautzen, im südlichen Brandenburg und rund um Strausberg vermutet. Die Durchsuchung eines Waldstückes im sächsischen Groß-Dubrau, wo am Sonnabend das Fluchtauto und eine Schlafstelle entdeckt worden waren, brachte kein Ergebnis. Seit den gestrigen Vormittagsstunden wird die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen durch starke Polizei-Einheiten gesichert. "Wir kontrollieren alle Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen und sonstigen Wege sowie mit dem BGS die Bahnhöfe und Gleisanlagen in diesem Bereich", teilte der Leitende Polizeidirektor Dietmar Weist mit. Auf der Linie Döbern - Spremberg - Elsterwerda - Bad Liebenwerda sei eine "hoffentlich nicht zu überwindende Sperre" aufgebaut worden. Die Polizei gehe davon aus, dass sich Schmökel wieder in den Raum Strausberg absetzen wolle. Deshalb durchkämmten Polizeikräfte auch hier wieder Laubenkolonien.

Ministerpräsident Stolpe überzeugte sich bei einer Lagebesprechung im Führungsstab des Frankfurter Polizeipräsidium von der "hohen Professionalität und hohen Motivation der Polizisten". Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) sagte nach einer Unterrichtung durch den Einsatzstab, man habe ziemlich gesicherte Erkenntnisse über den Aufenthaltsort Schmökels und sei "im Vorfeld des Erfolgs". Die Bevölkerung wurde zu erhöhter Vorsicht und Wachsamkeit aufgerufen. Allein gestern gingen rund 750 Brandenburger Polizisten den inzwischen 1500 Bürgerhinweisen auf einen möglichen Aufenthaltsort Schmökels nach.

Professor Adolf Gallwitz von der Hochschule für Polizei in Baden-Württemberg sieht unterdessen keine Anzeichen für einen bevorstehenden Selbstmord des Triebtäters. "Er entwickelt sich auch nicht zum Monster, zur Bestie oder zum Tier", sagte der Psychologe, der den Brandenburger Führungsstab berät. Schmökel dürfe nicht unterschätzt werden. Er wolle in Freiheit leben, sich körperlich unversehrt halten, Essen und Trinken. Und Gallwitz macht Mut: "Wenn er keinen Ausweg mehr sieht, wird er sich stellen". Aktuell leide dieser auch nicht unter dem Entzug von Medikamenten. Seine Hormonbehandlung liege schon einige Jahre zurück, erklärte Professor Gallwitz.

Große Hoffnung setzt die Polizei in die im Wald bei Groß-Dubrau aufgefundene Schlafstelle Schmökels. Hier fanden die Beamten neben verschiedenen Waffen auch Aufzeichnungen. "Dabei handelt es sich um eine Art Fluchttagebuch", sagte Polizeidirektor Weist. Spürhunde konnten die im Schlaflager Schmökels aufgenommene Spur nur bis zu einem See im Wald verfolgen. Mitten im Gewässer befindet sich zwar eine Insel, doch auch hier wurden Spezialkräfte nicht fündig. In diesem Forst war Schmökel einst als Freigänger des Gefängnisses Bautzen II zu Waldarbeiten eingesetzt. Er besitzt also genügend Ortskenntnisse.

Deshalb ging der Frankfurter Führungsstab davon aus, dass sich der Flüchtige weiterhin in Sachsen oder im angrenzenden Südbrandenburg aufhält. Die sächsischen Polizeieinheiten wurden durch eine Hundertschaft aus Baden-Württemberg unterstützt. Der Bundesgrenzschutz setzte seine verstärkte Überwachung der Grenzen zu Polen und Tschechien fort.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben