Der Tagesspiegel : Der Fall Ulrike: Der Mörder kennt die Gegend

Claus-Dieter Steyer

Die Polizei sucht seit gestern bundesweit nach dem Mörder der 12-jährigen Ulrike Brandt aus Eberswalde. Nach der Veröffentlichung eines neuen Phantombildes des gesuchten Mannes im Alter zwischen 25 und 35 Jahren gingen bisher rund 200 Hinweise auf den möglichen Aufenthaltsort des Täters ein. Eine heiße Spur war noch nicht darunter, teilte die Eberswalder Polizei mit.

Ursprünglich waren für gestern große Suchaktionen rund um den Fundort der Leiche am Rande des früheren Militärflughafens Werneuchen angekündigt worden. Doch die Aufnahme von Spuren in der Nähe der Fundstelle war offensichtlich noch nicht abgeschlossen. "Größere Einheiten stehen in Bereitschaft, um nach einem erfolgversprechenden Zeugenhinweis in Marsch gesetzt zu werden", sagte ein Polizeisprecher.

Die Ermittler im Mordfall Ulrike halten es für wahrscheinlich, dass der Täter in der Region im Umkreis von Eberswalde, Bernau oder Werneuchen lebt oder die Gegend zumindest sehr gut kennt. Ulrikes Mörder habe Straßen und Wege benutzt, die weitgehend nur Einheimischen bekannt seien. Das treffe sowohl auf die Straße zwischen Finow und Bernau als auch auf den Weg zwischen Werneuchen und Wesendahl zu, wo Ulrikes Leiche gefunden wurde.

Schweigen über "Täterwissen"

Weiterhin hielten sich die Ermittlungsbehörden mit Details über die Umstände des Todes von Ulrike zurück. Es solle kein Wissen preisgegeben werden, über dass nur der Täter verfügt. So gab es vom Führungsstab des Polizeipräsidiums keine Bestätigung für die Meldung, wonach Ulrike erdrosselt worden sei. Der Leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber hatte am Freitag nur von "Kompressionen im Halsbereich" als Todesursache gesprochen. Diese Aussage wurde gestern nicht näher erläutert. So blieb offen, ob die 12-Jährige mit den Händen erwürgt oder mit einem Seil ermordet worden war.

Auch die genauen Geschehnisse am Tag des Verschwindens von Ulrike bleiben weiter im Dunkeln. So war noch unklar, ob der Täter den am Morgen des 22. Februar in Strausberg gestohlenen weißen VW Polo vor oder erst nach der Ermordung des Mädchens in Brand gesetzt hat. "Auch das fällt in die Kategorie des Täterwissens", sagte ein Polizeisprecher.

Keine Angaben machte die Polizei zur Fahndungstaktik. Da die 12-Jährige aber kurz vor ihrem Tod sexuell missbraucht worden war, dürften viele Spuren vorhanden sein. Ein Gen-Test von Verdächtigen (siehe Kasten) könnte zum Täter führen. Bisher gibt es seitens der Ermittler jedoch keine Hinweise auf eine solche Überlegung.

Eltern werden gewarnt

Unterdessen warnte die Polizei im Raum zwischen Eberswalde, Bernau, Werneuchen und Strausberg vor dem gesuchten Mann. Es handele sich um einen Sexualstraftäter, der zu jeder Zeit wieder zuschlagen könnte. Besonders an Eltern wurde appelliert, ihre Kinder nicht ohne Aufsicht im Freien zu lassen. Sie sollten einsame Gegenden meiden. In der Umgebung der genannten Orte verstärkte die Polizei gestern ihre Streifen.

Bürgermeister Reinhard Schulz und der Landrat des Kreises Barnim, Bodo Ihrke, sicherten den Eltern von Ulrike Unterstützung zu.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben