Der Tagesspiegel : Der Fall Ulrike: Feuerstelle entpuppte sich als Rastplatz eines Jägers

Claus-Dieter Steyer

Mehrere hundert Polizisten suchten auch gestern nach der vor zehn Tagen verschwundenen Ulrike Brandt aus Eberswalde. Systematisch arbeiteten sie dabei jene gut zwei Dutzend auffälligen Stellen ab, die auf den Luftaufnahmen der Tornado-Jets in einem 50 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen dem Eberswalder Ortsteil Finow und Eberswalde entdeckt worden waren. Dabei handelte es sich vor allem um Erdbewegungen am Rande des ehemaligen Militärflughafens Finow. Bis gestern Abend war der größte Teil der verdächtigen Punkte abgesucht. "Es gab bisher keine Spuren des 12-jährigen Mädchens", sagte ein Sprecher des Eberswalder Polizeipräsidiums.

Nach bisherigen Erkenntnissen war ein 18 bis 30 Jahre alter Mann am 22. Februar mit einem zuvor in Strausberg gestohlenen VW-Polo mit der auf einem Fahrrad sitzenden Ulrike am Rande von Finow zusammengestoßen. Nach dem Unfall muss er die Schülerin in sein Auto gezerrt und an einen unbekannten Ort gebracht haben. Bei Bernau steckte er das Auto fünf Stunden nach der Kollision in Brand. Dort verlieren sich alle Spuren.

Tornados spürten Fuchsbau auf

Am gestrigen Morgen hatte die Entdeckung einer Feuerstelle unweit des Flughafens Finow Aufregung im Führungsstab ausgelöst. Sofort wurden Experten mit Spürhunden in Marsch gesetzt. Doch wenig später entpuppte sich die Meldung als Fehlalarm. Die Feuerstelle stammte von einem Jagdpächter, der sich in dem Waldgebiet oft aufhält. Er steht in keinem Zusammenhang mit dem Fall Ulrike. Auch andere auf Luftbildern der Tornados als auffällig gekennzeichnete Stellen brachten die Ermittler nicht weiter. Dabei handelte sich um mehrere Wildlager, zwei Fuchsbaue, einen toten Fuchs und Spuren von Waldarbeitern.

Dennoch nahm die Suche nach den Verdachtsstellen viel Zeit in Anspruch. In den dichten Wäldern waren die auf den Fotografien markierten Punkte nur schwer zu finden. "Manchmal muss ein Hubschrauber aus der Luft die Bodentruppen zu der oft mit bloßem Auge kaum wahrnehmbaren Stelle führen", sagte Peter Salender, Pressesprecher des Brandenburger Landeskriminalamtes. Sei sie dann tatsächlich ausgemacht, kämen zuerst die Spürhunde zum Einsatz. Erst danach würden die möglicherweise abgebrochenen Zweige und Äste oder die aufgeschüttete Erde vom Versteck entfernt.

Wie präzise die auf den Tornados montierte Technik arbeitet, zeigte sich an einer kleinen Höhle mitten im Wald. Dort signalisierte der Computer eine Wärmequelle. Die Polizisten tasteten sich vorsichtig heran und standen plötzlich vor einem Fuchsbau. Bis in zehn Meter Tiefe reichen die so genannten magischen Augen der Kameras. Falls der mutmaßliche Entführer das 12-jährige Mädchen also tatsächlich in einem unterirdischen Bunker am Militärflugplatz versteckt haben sollte, hätten die Polizisten fündig werden müssen. Möglicherweise hat er die Schülerin danach an einen anderen Ort verschleppt.

Suche im Tunnellabyrinth

Erstmals unterstützten gestern mehrere Gruppen des Technischen Hilfswerks mit ihrer speziellen Technik die Suchaktionen der Polizisten. Kräne halfen beispielsweise beim Vordringen in alte Militärbauten aus den dreißiger Jahren, als der Flughafen Finow angelegt worden war. Seit Kriegsende hatten die russischen Streitkräfte dort ein zusätzliches großes Geflecht aus ober- und unterirdischen Gebäuden angelegt. Seit dem Abzug der russischen Truppen vor fast zehn Jahren hat sie kaum ein Mensch betreten.

Zwischen Finow und Bernau verteilte die Polizei gestern zwei Phantombilder des mutmaßlichen Entführers von Ulrike. Laut den Aussagen von zwei neuen Zeugen soll der Mann tatsächlich längeres und gelocktes Haar tragen. Sie hatten ihn zum fraglichen Zeitpunkt am Steuer eines weißen Polos gesehen. Er soll allein in dem Auto gesessen haben. Noch immer sucht die Polizei nach weiteren Zeugen, die sich am vorangegangenen Donnerstagnachmittag auf der Biesenthaler Straße von Finow bis Biesenthal aufgehalten haben.

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