Der Tagesspiegel : Der Fall Ulrike: Polizei geht davon aus, dass das vermisste Mädchen noch lebt

Claus-Dieter Steyer

Trotz eines noch einmal aufgestockten Großaufgebotes der Polizei blieb auch am Dienstag die Suche nach der 12-jährigen Ulrike Brandt aus Eberswalde bis zum Abend erfolglos. 320 Beamte durchkämmten erneut den Flugplatz Finow sowie die Wälder rechts und links der Straße von Eberswalde nach Biesenthal. Hier war das Mädchen am Donnerstag vergangener Woche mit ihrem Rad von einem weißen Pkw der Marke Volkswagen angefahren und anschließend offenbar von dem Fahrer verschleppt worden. Mehrere Zeugen hatten Schreie gehört. Das Mädchen befand sich auf dem Weg vom elterlichen Wohnhaus zu einer Sporthalle, wo es am Handballtraining teilnehmen wollte.

"Wir gehen davon aus, dass Ulrike noch lebt", sagte Polizeisprecher Frank Schröder gestern. "Es gibt schließlich keine gegenteiligen Erkenntnisse." Nach seinen Angaben waren gestern rund 320 Polizisten an der Suche nördlich des Eberswalder Ortsteiles Finow beteiligt. Die Brandenburger Kräfte wurden durch Einheiten aus Berlin, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern verstärkt. Besonders am Rande des aus den dreißiger Jahren stammenden und nach Kriegsende bis 1993 von den russischen Militärs genutzten Militärflugplatzes gibt es zahlreiche verlassene Bauten. "Sie sind zum Teil verschlossen, zum Teil aber auch frei zugänglich", erklärte Polizeiführer Wolfgang Becker. Ortskundige Anwohner haben sich als Führer der Polizei zur Verfügung gestellt. Auch gestern wollten sich mehrere Eberswalder an der Suche in dem rund acht Quadratkilometer großen Terrain beteiligen. Allerdings bat das Eberswalder Polizeipräsidium um Verständnis, dass nicht jeder freiwillige Helfer einbezogen werden könne. Die Versicherungsfrage bei möglichen Unfällen sei ungeklärt.

Nach wie vor wird nach einem weißen VW-Pkw der Baujahre 1977 bis 1999 gefahndet. Mit ihm soll ein etwa 18 bis 30 Jahre alter Mann mit dunklen und lockigen Haaren gegen das Fahrrad von Ulrike gestoßen sein. Ein gestern nach Zeugenaussagen ermitteltes und untersuchtes Fahrzeug erwies sich als falsche Spur. Während die Fahndung nach dem Auto bundesweit läuft, soll der betreffende Mann aus der Umgebung stammen. Die Verbindungsstraße zwischen Finow und Biesenthal sei nur Einheimischen bekannt, hieß es von Polizeisprecher Schröder. Die Personenfahndung konzentriert sich deshalb auf einen Radius von 50 bis 60 Kilometern um den Fundort von Ulrike Fahrrad. Bis gestern gingen bei der Polizei rund 250 Hinweise aus der Bevölkerung ein.

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