Der Tagesspiegel : Der Fall Ulrike: T-Shirt des Mörders entdeckt

Claus-Dieter Steyer

Im Fall der am 22. Februar ermordeten Ulrike Brandt aus Eberswalde sucht die Polizei jetzt nach dem Träger eines weinroten T-Shirts. Es wurde in der Nähe des Fundortes der Leiche am Rande von Werneuchen entdeckt. "Umfangreiche Untersuchungen am Kleidungsstück haben den Verdacht erhärtet, dass es sich im Besitz des Mörders befunden haben könnte", sagte ein Sprecher des Eberswalder Polizeipräsidiums gestern. Das T-Shirt habe die Größe L und sei offensichtlich sehr häufig getragen worden. Auffällig seien zwei Logos mit den Schriftzügen "HOMEBOY" und "LOUD-COUTURE".

Das T-Shirt gehört zu einer ganzen Reihe von Gegenständen, auf die Polizei bei der Absuche der Umgebung des Leichenfundortes gestoßen war. Nicht sofort können Zusammenhänge mit dem Sexualverbrechen hergestellt werden. Außerdem hielt sich die Polizei bisher mit Informationen über den Fundort des 12-jährigen Mädchens zurück. So lagen auf dem einsamen Weg am Ortsrand von Werneuchen noch immer nicht näher bezeichnete Teile des später ausgebrannten weißen VW Polo. "Wir veröffentlichen zunächst keine Details, die nur der Täter wissen kann", erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber aus Frankfurt (Oder) die Ermittlungstaktik. Die Öffentlichkeit werde zum gegebenen Zeitpunkt in Kenntnis gesetzt.

Offenbar wusste die Polizei auch im Falle des bewussten T-Shirts schon längere Zeit vom Zusammenhang mit dem gesuchten Mörder. Erst als die konventionellen Fahndungsmethoden keinen Erfolg brachten, wurde die Information verbreitet. Nach dem gleichen Prinzip soll auch über die Ausweitung der Gentests entschieden werden. Bisher sei an keine massenhafte Erfassung von Speichelproben aller Männer in der Region zwischen Eberswalde, Bernau, Strausberg und Werneuchen gedacht, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt.

Die Polizei setzt also auch hier zunächst auf althergebrachte Taktiken und Suchaktionen. Ohnehin könnte ein massenhafter Gentest für alle Männer zwischen 18 und 30 Jahren erst auf richterlichem Beschluss erfolgen. Die Zahl der betroffenen Personen dürfte sich im fünfstelligen Bereich bewegen. Ein solcher Massentest müsste sich auf das Gebiet zwischen Strausberg (hier wurde der weiße Polo gestohlen), Eberswalde (Ort des Unfalls mit Ulrike und anschließende Verschleppung), Werneuchen (Fundort der Leiche) und Bernau (Abfackeln des Pkw) erstrecken. Zu jeder Zeit kann bei der Polizei freiwillig eine Speichelprobe abgegeben werden. Der Vergleich mit dem genetischen Fingerabdruck des Täters dauert einige Tage.

Unterdessen sind bei der 100-köpfigen Sonderkommission im Eberswalder Polizeipräsidium mehr als 3000 Hinweise auf den möglichen Täter eingegangen. Eine konkrete Spur befand sich jedoch nicht darunter.

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