Der Tagesspiegel : Der Fall Wolf: Ex-Minister sieht sich als Opfer

Michael Mara

Von Reue keine Spur, dafür jede Menge Schuldzuweisungen: Jochen Wolf, inhaftierter Ex-Bauminister, gibt allein in einem Punkt einen großen Irrtum zu: in seiner Einschätzung von André D., seinem Freund, der den Kontakt zu Ralf M. herstellte, dem Mann, der Wolfs Ehefrau Ursula umbringen sollte. Wie Wolf jetzt in einem Interview mit der morgen erscheinenden Zeitschrift "Super Illu" sagte, war es Freund André D., der ihn auf die Idee mit dem Auftragsmord gebracht habe. Den Plan selbst rechtfertigt Wolf damit, dass ihm seine Frau sechs Jahre lang die Scheidung verweigert habe. Da habe er "den seelischen Druck" nicht mehr ausgehalten: "Egal wie - ich wollte die Trennung. Um jeden Preis!"

Nach seiner Verhaftung hat Wolf in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel einen Selbstmordversuch unternommen. In dem Interview bestätigt Wolf, dass er wirklich habe sterben wollen. Er habe einen "Bilanzsuizid" geplant, denn seit dem Selbstmord seiner russischen Geliebten Oksana am 21. Dezember 1998 habe sich seine Lebensbilanz "nicht mehr wesentlich geändert". Ohne sie gebe es für ihn "keine Zukunft mehr". Zugleich jedoch beschreibt er seinen Seelenszustand als "gelassen": Sein Körper stabilisiere sich, er betreibe Gymnastik, trainiere auf einen Hometrainer.

Auf die Frage, ob er alles bereue, antwortete Wolf: "Ich bereue nur, dass ich diesem falschen Feund André vertraut habe. Seine Charakterlosigkeit ist grenzenlos." Später, als ihm klar geworden sei, "was das wirklich bedeutet hätte", will er den Auftrag "sofort zurückgezogen" haben. Dies steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft. Danach hatte Wolf bis zu seiner Festnahme Kontakt mit dem vermeintlichen Killer, der sich der Polizei offenbarte. In einem Interview mit der "BZ" widerspricht der von Wolf angeheuerte 41-jährige Ralf M. entschieden: Wolf habe ihn wiederholt gedrängt, seine Frau umzubringen: "Wann tust du es endlich?" Er habe "noch nie jemanden so skrupellos über den Tod eines anderen Menschen reden hören".

M. erklärte weiter, er könne sich vorstellen, dass Wolf noch andere Personen umbringen lassen wollte. Er habe einmal zu ihm gesagt. "Wenn Du das gemacht hast, hätte ich vielleicht noch andere Aufträge für dich." André D. hatte von einer "Todesliste" Wolfs gesprochen, diese Aussage aber wieder zurückgezogen. Wolf selbst gibt die Schuld an seiner jetzigen Situation vor allem Freund André D. Anders sehe es mit seiner politischen Karriere, die nach einer Filz-Affäre 1993 zu Ende ging, aus: "Höchstrangige Politiker", deren Namen er "im Moment" nicht nennen wolle, hätten Kampagnen gegen ihn geführt. "Ich stand ihnen im Weg. Die hatten nur ein Ziel, mich politisch zu demontieren."

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