Der Tagesspiegel : Der Konkurrent als Käufer?

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Klettwitz. Das Verwirrspiel um den insolventen Lausitzring geht in eine neue Runde. Nachdem bislang amerikanische und britische Investoren als mögliche Käufer der Rennstrecke gehandelt wurden, hat jetzt die Nürburgring-Gesellschaft Interesse an der Übernahme der vor knapp zwei Jahren eröffneten Strecke gezeigt. „Es hat ein Informationsgespräch gegeben“, sagte Lausitzring-Sprecher Marc-Thorsten Lenze gestern. „Ursprünglich war Stillschweigen vereinbart worden. Aber es gab wohl eine undichte Stelle.“ Offiziell gehört der Nürburgring zu den zehn bis 15 ernsthaften Interessenten an einem Kauf der defizitären Anlage. Die selbst in großen finanziellen Schwierigkeiten steckende Bankgesellschaft Berlin als Hauptgesellschafter will den Lausitzring so schnell wie möglich abstoßen. Am 19. Juni hatte die Besitzgesellschaft Antrag auf Insolvenz gestellt. Das entsprechende Verfahren wird am 1. September eröffnet. Erst dann können die jetzigen Informationsgespräche in konkrete Verkaufsverhandlungen münden. Die Nürburgring GmbH bestätigte Gespräche mit dem Insolvenzverwalter. Ein Kaufinteresse gebe es allerdings vorerst nicht, sagte ein Unternehmenssprecher.

Dennoch birgt das offensichtliche Interesse der Gesellschaft aus Rheinland-Pfalz an der Brandenburger Anlage Brisanz. Der jetzige Geschäftsführer der Lausitzring-Betreibergesellschaft, Hans-Jörg Fischer, kommt vom Nürburgring. Vor seinem 1999 begonnenen Engagement im Osten war er vier Jahre lang Marketingchef der legendären Strecke in der Eifel. Hier warb er erfolgreich um die Formel 1, die mehrmals wegen baulicher Mängel mit Rückzug gedroht hatte. Auch andere Rennen wie die Europameisterschaft der Trucker sicherte Fischer ab. Für den Lausitzring schien er der richtige Mann zu sein. Er verbreitete Optimismus in der Region, als er den Menschen das Formel-1-Erlebnis in kürzester Zeit versprach.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone soll den Lausitzring mehrfach als Druckmittel verwendet haben, heißt es in der Branche. Wenn der Nürburg- und der Hockenheimring nicht modernisiert würden, gehe Formel 1 in die Lausitz, habe Ecclestone argumentiert. Sowohl Rheinland-Pfalz als auch Baden-Württemberg stockten daraufhin die Mittel für die beiden Anlagen auf. Bei einer Übernahme durch den Lausitzring würde dieses Druckmittel natürlich ausscheiden.

In der Lausitz wurde die Meldung gestern positiv bewertet. Man könne sich gut ergänzen, sagte ein Autorennen-Fan. Ein Oval für ganz spezielle Rennen gibt es in der Eifel nicht. Wegen dieser Bauform entschied sich die US- Champ-Car-Serie für den Lausitzring. Wegen finanzieller Probleme der Amerikaner wurde das für Mitte September geplante Rennen der Serie in der Vorwoche abgesagt. Claus-Dieter Steyer

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