Der Tagesspiegel : Der lange Marsch zum kurzen Auftritt

„In 80 Tagen um die Welt“: Tausende wollen Statisten sein

Claus-Dieter Steyer

Potsdam. „Vielleicht geht’s von hier aus gleich nach Hollywood.“ Der 17-jährigen Nadine Steinborn aus Berlin fehlt es nicht an Selbstbewusstsein – „na klar, wenn man hier so lange herumsteht, kommen einem schon verrückte Gedanken“. Ihre Freundin Nicole aber winkt ab. „Hauptsache Action und ein bisschen Kohle.“

Lange stehen, das mussten die Bewerber um eine Kleinrolle in der Neuverfilmung von „In 80 Tagen um die Welt“ tatsächlich. Am 16. April beginnen die Dreharbeiten in den Babelsberger Studios, in Görlitz und auf dem Berliner Gendarmenmarkt – und am Sonnabend stellten sich mehrere tausend Berliner und Brandenburger um einen Komparsen-Job an. 50 bis 60 Euro soll es für einen Drehtag immerhin geben. Hunderte Meter lang reihten sich die Schlangen vor dem Studio in Haus 3 und vor der Caligari-Halle im Filmpark Babelsberg. Am heutigen Sonntag, dem zweiten Tag des Castings, dürfte es kaum anders aussehen.

„Einige Leute wollten vor der Tür zum Studio sogar übernachten“, erzählt ein Pförtner. Dabei brachte frühes Erscheinen keinerlei Vorteil. „Die Entscheidung, ob wir einen Bewerber für den Film gebrauchen können, dauert seine Zeit“, sagt Iris Müller, Chefin der beauftragten Casting-Agentur. „Hier machen wir erstmal nur Fotos der Gesichter.“ Sonntagabend dürften so mehr als 10 000 Porträts im Schnelldurchlauf entstanden sein – gebraucht werden 6000 Komparsen. Und die müssen ganz bestimmten Anforderungen entsprechen: „Im 19. Jahrhundert waren die Menschen einfach viel kleiner und schmaler als heute“, erklärt Iris Müller. Frauen sollten daher möglichst der Konfektionsgröße 40 bis 42 entsprechen, Männer maximal der Größe 54. Auf diese Maße haben sich die Kostümhersteller geeignet. Außerdem hätten Männer und Frauen damals längere Haare getragen, die meisten Männer obendrein einen Bart in vielen Varianten. Glatzköpfe oder übergewichtige Menschen haben für diesen Film also wenig Chance.

Mehr Hoffnungen macht sich eine junge Dame, die eben aus dem Casting-Studio tritt. „Sie haben nicht nur mein Gesicht fotografiert. Die haben ein Bild in voller Größe gemacht!“, erzählt sie stolz. „Das steigert vielleicht meine Chance. Oh, bin ich aufgeregt!“ Doch auf die Nachricht, ob sie genommen wurde, muss sie sich noch einige Wochen gedulden. Nach einer gewissen Vorauswahl werden die Fotos nach Thailand geschickt, wo das Team um den Regisseur Frank Coraci schon die ersten Aufnahmen dreht.

Besonders gute Chancen rechneten sich aber die vielen Asiaten unter den Wartenden aus: „In unserem Bekanntenkreis hat sich die Nachricht von dem Casting rasend schnell verbreitet – und vor allem, dass asiatische Gesichter besonders gefragt sind“, erklärte die Studentin Ling aus Peking.

Casting noch einmal am heutigen Sonntag von 10 bis 18 Uhr: Haus 3 in der August-Bebel-Straße und Caligari-Halle im Filmpark Babelsberg.

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