Der Tagesspiegel : Der lange Ritt an die Spitze

Die Galopprennbahn Hoppegarten hat wieder eine Zukunft, doch der Weg nach ganz vorn ist noch weit

Ingo Wolff

Hoppegarten. Es ist nicht lange her, da stand die Galopprennbahn Hoppegarten vor dem Aus. Der Union-Klub hatte über seine Verhältnisse gelebt und bekam vor zwei Jahren vom Verband keine neue Lizenz. Seitdem hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Der Streit zwischen dem Klub und der Treuhand über Grund und Boden ist beigelegt, die Zuschauer kommen wieder auf die Bahn, mit ihnen die Sponsoren. Porsche hat im Juli für die Organisation eines einzelnen Renntages so viel investiert wie noch kein Sponsor im Galoppsport zuvor. Eine siebenstellige Summe soll das Spektakel mit Bundeskanzler Schröder und 25 000 Besuchern gekostet haben.

Hoppegarten erlebte in den vergangenen beiden Jahren einen unerwarteten Aufschwung. Ein Aufschwung der vier Namen trägt: Präsident Peter Boenisch mit seinen beiden Vizepräsidenten Bernhard von Schubert und Wilhelm von Preußen sowie Günther Gudert. Der 59-Jährige wurde aus Hamburg quasi ausgeliehen. Der Geschäftsführer des Hamburger Rennclubs hat nebenbei auch die Geschäfte für Hoppegarten geführt und die Renntage organisiert. Doch mit dem Aufschwung wurden die Aufgaben immer zeitintensiver. Für das kommende Jahr hat das Präsidium des Union-Klubs deshalb eine hauptamtliche Führungskraft gesucht. „Wir wollen die erreichten Standards halten“, sagt von Schubert. „Wir brauchen jemanden, der das rund um die Uhr macht.“ Deshalb wurde zunächst Gudert der Job eines Generalsekretärs angeboten, doch der lehnte ab. „Aus familiären Gründen“, sagt Gudert. Er wolle seinen Kindern derzeit keinen Wechsel nach Berlin zumuten. Außerdem besitzt er in Hamburg einen hoch dotierten Job. „Das kann der Union-Klub doch nicht bezahlen.“ Also hat Gudert für die Funktion einen ehemaligen Mitarbeiter vorgeschlagen: Hauke Wilkens. Der 42-Jährige war zuletzt für das Marketing bei der WM-Serie der Galopper verantwortlich. Als Geschäftsführer hatte Wilkens auch schon die Frankfurter Bahn erfolgreich aus dem Tief geholt hatte. „Die Bedingung in Frankfurt waren noch schwieriger als jetzt in Hoppegarten“, sagt Wilkens. Nun soll er seine internationalen Kontakte für Hoppegarten einsetzen. „In Hoppegarten zählt natürlich der Hauptstadtbonus. Mir ist aber klar, dass man noch viel Aufbauarbeit leisten muss“, sagt Wilkens. In den kommenden Monaten soll er vor allem Sponsoren gewinnen und die bereits gewonnenen pflegen.

Er bekommt gute Vorgaben. Boenisch konnte in dieser Saison namhafte Unternehmen wie Volkswagen und Porsche für die Bahn gewinnen. Seit der Union-Klub in Hoppegarten wieder Hausrecht genießt und damit auch mehr Sicherheit für künftige Planungen besitzt, zieht es auch wieder mehr Sponsoren auf die Bahn. „Wir können jetzt hochkarätige Leute nach Hoppegarten locken“, sagt von Schubert, „wir können denen jetzt wieder eine Perspektive bieten.“

Es ist der erste Schritt auf einem langen Weg in die Spitze der deutschen Bahnen. So hat sich der Klub sogar ins Rennen um die Neuvergabe von der „Preis der Diana“ begeben. Die Rennbahn in Mülheim (Ruhr) hat das Stuten-Derby verkauft. Hoppegarten, wo das Rennen bis 1944 stattgefunden hatte, wollte es zurückholen. Doch es fand sich kein Sponsor. Vorerst unterlag der Union- Klub gegen Hamburg. Doch die Klubführung kämpft. In zwei Jahren will sie das prestigeträchtige Rennen doch noch nach Hoppegarten holen.

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