Der Tagesspiegel : Der letzte Lückenschluss

Die S-Bahn fährt wieder bis Teltow. 10 000 Fahrgäste werden täglich erwartet

Klaus Kurpjuweit

Teltow – Für Bürgermeister Thomas Schmidt ist im Februar noch einmal Weihnachten. Am 24. wird die S-Bahn-Verlängerung von Lichterfelde Süd in Berlin bis Teltow eröffnet – mehr als 15 Jahre nach dem Fall der Mauer. Damit erhält Teltow nach über 40 Jahren Zwangspause wieder Anschluss ans Schnellbahnnetz in der Region. Und Schmidt erhofft sich dadurch auch einen Standortvorteil für die Stadt. 10 100 Fahrgäste sollen die neue Verbindung in Zukunft täglich nutzen; darunter viele Pendler. Mit der Verlängerung ist das so genannte Lückenschlussprogramm des Bundes vorerst abgeschlossen. Seit 1992 wurden insgesamt 16 S-Bahn-Verbindungen wieder hergestellt, die durch den Mauerbau von 1961 unterbrochen worden waren. Dafür wurden über drei Milliarden Euro investiert.

Die 2,84 Kilometer lange Verbindung nach Teltow war zwar mit Kosten in Höhe von 32,5 Millionen Euro vergleichsweise billig, doch jahrelang hat das Geld trotzdem gefehlt. Als dann aber 2002 endlich klar war, dass die S-Bahn wie versprochen wiederkommen werde, ging ein Ruck durch die Gemeinde. Sogar die Nachfrage nach Wohnungen habe von diesem Zeitpunkt an spürbar zugenommen, so Schmidt. Weil die Aussicht auf die S-Bahn mit ihren schnellen Fahrten nach Berlin Mieter nach Teltow gezogen habe, habe eine Gesellschaft sogar eine regelmäßige Busverbindung zum nächsten S-Bahnhof einrichten müssen, als die Verwirklichung des S-Bahn-Versprechens noch auf sich warten ließ.

Doch nun ist es soweit, und jetzt geht es sogar ganz schnell. Weil einer der Prominenten, die den ersten Zug auf die Reise schicken wollen, am 26. Februar, dem ursprünglich vorgesehenen Termin, keine Zeit hatte, wird eben jetzt schon zwei Tage früher gefeiert.

Die Züge werden auf jeden Fall pünktlich fahren, ist S-Bahn-Chef Günter Ruppert überzeugt. Allerdings ist die Freude nicht ungetrübt. Weil im Berliner Nord-Süd-Tunnel rund ein Jahr lang neue Signale eingebaut werden, können die Züge aus Teltow und Lichterfelde Süd zunächst nur als S 26 bis zum Potsdamer Platz fahren. Dort müssen sie für die Weiterfahrt Richtung Friedrichstraße umsteigen. Trotzdem erreichen sie das Zentrum Berlins erheblich schneller als mit dem Auto. Die Fahrt von Teltow dauert bis zum Potsdamer Platz nur 25 Minuten.

Und auch der Weg zum Bahnhof in Teltow wird für die meisten Fahrgäste viel kürzer. Die S-Bahnen, die von 1951 bis 1961 nach Teltow fuhren, waren auf den Gleisen der Fernbahn unterwegs; der Haltepunkt Heinersdorf lag rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Jetzt fahren die Züge auf einer neuen Trasse direkt ins Zentrum, wo unter der Mahlower Straße der neue Bahnhof entstanden ist. Dies sahen bereits Planungen aus den 30er Jahren vor, die auch eine Verlängerung dieser Trasse über Stahnsdorf bis Wannsee berücksichtigten.

Die Stadt hat rings um den neuen Bahnhof, wo insgesamt zehn Buslinien halten werden, rund 710 000 Euro investiert und unter anderem 74 Parkplätze gebaut. Mehr Platz habe es dafür nicht gegeben, bedauert der Bürgermeister. So müsse man auch bereits an den Bau eines Parkhauses denken.

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