DER OP-Kurs : So werden Zahnimplantate eingesetzt

Björn Rosen

Ein Zahnimplantat ist eine künstliche Zahnwurzel. Es kann nötig werden, wenn ein Zahn komplett verloren gegangen ist – bei einem Unfall oder durch eine Entzündung.

Implantate sind schonender als „Brücken“. Auch diese füllen zwar Lücken aus, werden aber von den angrenzenden Zähnen getragen, die beschliffen werden müssen. „Bei einem Implantat geht keine Zahnsubstanz verloren“, sagt Volker Strunz, Kieferchirurg von „Clinic im Centrum“ in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Außerdem ist das ästhetische Ergebnis besser.“ Denn Implantate werden passgenau in den Kieferknochen eingesetzt, verwachsen fest damit und fühlen sich wie ein echter Zahn an. Wie die natürliche Zahnwurzel bilden sie eine Basis – meist für künstliche Zahnkronen, aber auch zur Befestigung von Brücken oder herausnehmbaren Prothesen. Allerdings sind sie recht teuer; die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht komplett.

Meist besteht so ein Implantat aus reinem Titan, einem gut verträglichen Metall. Es hat die Form eines Zylinders, außen häufig mit einem Gewinde, so dass es wie eine kleine Schraube aussieht: So kann es einfach in den Knochen hineingedreht werden. „Die Operation ist weniger schlimm als das Ziehen eines Zahns“, sagt Strunz. „Vorher wird man örtlich betäubt, bekommt eine Spritze ins Zahnfleisch. Auch danach sind die Schmerzen gering.“ Je nach Zahl der Implantate dauert die OP 20 Minuten bis zwei Stunden.

Zunächst macht der Zahnarzt einen etwa zentimeterlangen Schnitt in die Mundschleimhaut und schiebt diese zur Seite, um zum Kieferknochen zu gelangen. In einzelnen Schritten, mit immer dickeren Bohrern, schafft er eine Vertiefung, die schließlich exakt der Dicke und Länge des Implantats entspricht. „Per Hand und später mit einer Ratsche kann man die künstliche Zahnwurzel nun in den Kiefer drehen.“ Zuletzt wird das Innere des Implantats mit einer flachen Schraube verschlossen, damit kein Gewebe einwächst, und das Zahnfleisch darüber zugenäht. So kann das Implantat „ungestört“ mit dem Knochen verwachsen; wer eine Prothese hat, sollte sie einige Tage nicht tragen, um keinen Druck auf die Wunde auszuüben. Sobald die verheilt ist, kann die Schraube entnommen und eine Krone eingebaut werden – im Unterkiefer ist dies nach drei, im Oberkiefer erst nach vier bis sechs Monaten möglich. „Die Knochen unten sind kompakter und stärker, deshalb wächst das Implantat dort schneller ein“, erklärt Strunz.

Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) schätzt, dass in diesem Jahr fast eine Millionen Zahnimplantate eingepflanzt werden – deutlich mehr als in der Vergangenheit. Wer sich dafür entscheidet, sollte auf jeden Fall zu einem speziell qualifizierten Fachmann gehen, betont die DGI. Vor der Operation sollte man mit dem Rauchen aufhören und man darf keine akute Paradontitis haben, also keine bakterielle Entzündung der Zähne. „Rauchen ist schlecht für die Wundheilung und auch Bakterien greifen die Knochen an, so dass das Implantat eventuell nicht richtig einheilt“, erklärt Kieferchirurg Strunz. Läuft bei der OP etwas schief, können Nerven geschädigt werden; ein vorübergehendes oder dauerhaftes Taubheitsgefühl ist die Folge. Björn Rosen

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