Der OP-Kurs : So wird der Magen verkleinert

Eine Magenverkleinerung ist das letzte Mittel gegen extremes Übergewicht. Der Eingriff sorgt zuverlässig dafür, dass man abnimmt, ist aber nicht ohne Risiko und wird nur selten von den Kassen bezahlt.

Björn Rosen

Operiert wird frühestens, wenn der Patient unter schweren Begleiterkrankungen wie Diabetes oder chronischem Gelenkschmerz leidet.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann mit einem Band einen „Vormagen“ schaffen, der nur wenig Nahrung aufnimmt, oder den Teil des Magens entfernen, in welchem das appetitanregende Hormon Ghrelin seinen Ursprung hat. „Unsere favorisierte Methode ist der Magen-Bypass. In den USA ist das die wichtigste OP ihrer Art“, sagt Martin Susewind vom Zentrum für Adipositas-Chirurgie am MIC-Klinikum in Zehlendorf.

Bypass ist das englische Wort für Umleitung: Der Weg der Nahrung soll nicht mehr durch den Magen führen, sondern an diesem vorbei. Dazu wird der größte Teil des Organs „stillgelegt“. Anders als bei der „Schlauchmagen“-Methode, bei der man große Teile des Magens aus dem Körper entfernt, lässt sich die OP auch wieder rückgängig machen – allerdings ist dies sehr aufwendig.

Vor der Operation darf der Patient sechs Stunden nichts gegessen und vier Stunden nichts getrunken haben. Der Eingriff unter Vollnarkose dauert rund zweieinhalb Stunden. „Nötig sind nur rund fünf Schnitte im Oberbauch, von maximal drei Zentimetern, durch die wir winzige Instrumente einführen“, erklärt Susewind. Das wahrscheinlich wichtigste ist ein Klammernahtgerät: Es durchtrennt Gewebe, verschließt aber gleichzeitig die beiden entstehenden Hälften mit Klammern aus Metall, ähnlich wie ein Papiertacker.

Damit macht der Arzt zwei Schnitte, einen in Nähe der Speiseröhre und einen weiter unten am Dünndarm. Die Verbindungen des Magens sind „gekappt“. Das Organ verbleibt jedoch im Körper; der Dünndarm wird zum Restmagen hochgezogen und dort mit Fäden oder dem Nahtgerät „angeschlossen“. So reduziert man das Fassungsvermögen des Magens von 500 auf nur noch 20 Milliliter.“

Zu den – seltenen – Risiken der OP gehört, dass sich die Nähte als undicht erweisen können. Funktioniert alles, so stellt sich beim Essen sehr viel schneller ein Sättigungsgefühl ein. Außerdem fehlen mit dem Magen und einem Teil des Dünndarms wichtige Stationen des Verdauungsapparats, auf denen sonst Stoffe aus der Nahrung resorbiert werden. Ohne sie bekommt der Körper weniger Energie und kann auch weniger an Masse zulegen. Leider werden aber auch wichtige Stoffe vermindert aufgenommen. Die Patienten brauchen deshalb für den Rest ihres Lebens Vitamin- und Mineralstofftabletten. Björn Rosen

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