Der Tagesspiegel : Der richtige Reflex: Preis für mutige Helferinnen

Zwei Frauen werden geehrt, weil sie eingriffen, als Schwarze verprügelt wurden Eine von ihnen sagt, sie habe nur getan, „was man tun muss“

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Potsdam - Als Heldinnen haben sich Nicole Lüdeking und Jana Böttner nie gesehen. Sie haben sich aber so verhalten und durch ihr Eingreifen im Juli 2004 das Leben eines Kenianers gerettet. Dafür sollen die beiden jungen Frauen jetzt ausgezeichnet werden: Am 30. Mai wird ihnen der mit 10 000 Euro dotierte Gustav-Heinemann-Bürgerpreis 2006 verliehen.

Der Überfall vom 18. Juli 2004 war eine jener fremdenfeindlichen Attacken, mit denen Brandenburg immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Es ist 5 Uhr morgens, als zwei Schwarzafrikaner die Disko „Piephahn“ in Brandenburg/Havel verlassen, vor der Tür gibt es Streit mit zwei Brandenburgern. Nicole Lüdeking und Jana Böttner hören Glas brechen und laufen zu der Gruppe, da liegt Oscar M. bereits blutend am Boden, der Bundeswehrsoldat Thorsten Z. hat mit einer zerbrochenen Bierflasche auf ihn eingestochen, will nochmal zustechen, als die damals 25-jährige Nicole Lüdeking ihm in den Arm greift, mit aller Kraft festhält, auf ihn einredet.

„Ich habe gar nicht nachgedacht, sondern nur gemacht, was man tun muss“, hat Nicole Lüdeking über den Abend, an dem sie Oscar M. das Leben rettete, mal gesagt, und, dass sie das „Robin-Hood-Syndrom“ habe. Der Fall erregte Aufsehen, weil die 2005 verurteilten Täter keine gewalttätigen Neonazis oder Skinheads waren, sondern vermeintlich normale Menschen. Vor Gericht, wo die beiden jungen Frauen als Zeuginnen aussagten, erlebten sie dann nicht nur Zuspruch, Lüdeking wurde auch beschimpft und es gab Versuche, sie zur Falschaussage zu bewegen, um die Angeklagten nicht zu belasten. Beide Frauen hätten sich aber auch durch Anfeindungen nicht beirren lassen, heißt es in der Begründung für die Verleihung des Preises, der 1977 von der SPD gestiftet wurde und unter anderem an Egon Bahr, Regine Hildebrandt und die Aktion Sühnezeichen ging.

Und es gab gestern noch zwei weitere Preise für das brandenburgische Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Bürgerbündnis „Plattform gegen Rechts“ in Fürstenwalde sei von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als „Botschafter für Toleranz 2006“ ausgezeichnet worden, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Außerdem erhalte der Leiter des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung, Wolfram Hülsemann, den diesjährigen Stuttgarter Friedenspreis. Der mit 5000 Euro dotierte Preis soll am 17. November in Stuttgart verliehen werden. Diese Ehrungen seien ein „ermutigendes Signal“ für das Land. Sie zeigten, dass in Brandenburg couragierte Personen für Menschenwürde und Toleranz eintreten. Nur durch das „entschlossene und beherzte Engagement der Zivilgesellschaft“ könnten Erfolge im Kampf gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit erzielt werden. (mit ddp)

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